Ein Erfolg für Zivilgesellschaft und Parlamentarismus! Rauchverbot voraussichtlich ab November in Kraft! Protest macht sich bezahlt.

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Nun scheint es doch so weit zu sein. Vier Parteien haben im Parlament einen Fristsetzungsantrag gestellt, wonach das Rauchen in der Gastronomie flächendeckend verboten ist. Wahrscheinlich mit 1. November. Gut so. Die Initiative „Don‘t Smoke“ der Krebshilfe und der Ärztekammer hat wesentlich dazu beigetragen. Daher: Danke an alle, die das Volksbegehren unterschrieben haben. Österreich ist erwachsen geworden – zumindest in Sachen Nichtraucherschutz.

Damit ist ein erster Schritt gesetzt. In öffentlichen Gebäuden wird ohnehin seit einiger Zeit schon nicht mehr geraucht, der Jugendschutz wurde verbessert – bislang aber ist die Zahl der Raucher, auch bei Jugendlichen, nicht signifikant zurückgegangen. Weitere Maßnahmen sind notwendig: mehr Aufklärung, mehr Information und vor allem weniger indirekte Anreize. Tabakwaren sind in Österreich im internationalen Vergleich immer noch zu billig, dazu kommt ein recht lebendiger Schmuggelmarkt.

Dass man Rauchen nicht generell verbieten kann, ist logisch. Es wäre eine Einschränkung der Freiheitsrechte des Individuums. Aber man kann mit Vernunft agieren. Die gesundheitlichen Schäden, die Rauchen verursacht, sind bekannt. Ebenso wie die Tatsache, dass in jenen Ländern, die schon vor Jahren ein striktes Rauchverbot eingeführt haben, wie Italien und Irland, die Zahl der Lungenkrebserkrankungen und Todesfälle kraft Lungenkrebs zurückgegangen ist. Und zwar signifikant.

Rauchen gilt – vor allem bei uns – immer noch als chique und Zeichen von Erwachsensein, Stärke und Lässigkeit. Vor allem bei Jugendlichen. In anderen europäischen Ländern sind Raucher out und gewissermaßen anachronistisch: Erst wenn dieses Stadium erreicht ist, kann man von Aufklärung und gelebtem Bewusstsein sprechen.

Gleichzeitig müssen wir warnen. In den USA boomt derzeit das „Erhitzen“. Tabak wird nicht verbrannt, sondern lediglich erhitzt. Die Zigarettenindustrie setzt voll auf diesen Trend. Und hat die Werbemaschinerie bereits angeworfen. IQOS von Philipp Morris ist ein Mega-Seller. Erste Proteste laufen schon. Das wichtigste wird sein: Auch das Erhitzen muss unter das Tabakgesetz fallen. Sonst kommt die Nikotinkeule über die Hintertüre wieder. Denn: gesund ist auch das nicht. Vor allem zeigen erste Studien, dass die Abhängigkeitsgefahr hoch ist.

Worum es geht: Aufklärung für ein insgesamt gesünderes Leben. Das fängt beim Rauchen an und geht weiter bis zur vernünftigen Ernährung und regelmäßigen Bewegung.

Klingt eigentlich simpel. Ist es aber nicht.

 

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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