Teure Lebensmittel, günstiger Alkohol und Tabak. Wie sich die Statistik im Lebenswandel widerspiegelt.

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In Österreich sind Lebensmittel – vor allem Fleisch, Brot, Käse, aber auch Gemüse und Obst – deutlich teurer als im Eu-Durchschnitt. Dafür sind bei uns sowohl Tabak als auch Alkohol und Süßgetränke billiger. Man muss sich nicht wundern, warum bei uns überdurchschnittlich viel getrunken und geraucht wird und anderseits zu wenig Gemüse, Obst und gesunde Lebensmittel gegessen werden. Und warum wir im OECD-Ranking  in Punkto Volksgesundheit weit hinten liegen-insbesondere bei der Jugend.

In Großbritannien und Frankreich sind Zigaretten nahezu doppelt so teuer, selbst in Griechenland sind sie nicht billiger. Hingegen sind alkoholfreie Getränke um 25 Prozent teurer als im Eu-Durchschnitt.

Fleisch kostet bei uns 46 Prozent mehr als im Eu-Schnitt. Hier sind wir Europameister. Kein Wunder, dass die Österreicher Fleisch vor allem dann kaufen, wenn in den Supermärkten Preisdumping betrieben wird. Über die Qualität der Sonderangebote soll nicht diskutiert werden – über den Fettanteil gibt es keine Zweifel. Zu hoch.

Bier und Wein sind vergleichsweise billig – auch hier heizen die großen Ketten den Markt mit Dauertiefpreisaktionen an.

Fairerweise muss angemerkt werden, dass in Österreich der Handel wesentlich öfter als in anderen Ländern auf Aktionen und Sonderkonditionen setzt (kauf zwei, bekommst du drei) und damit das Preisgefüge statistisch verzerrt erscheint. Und ebenso kritisch muss man anmerken, dass die Konzentration im Lebensmittelhandel fast nirgends so hoch ist wie in Österreich.

Es ist Tatsache, dass der Konsum von Suchtmitteln über den Preis gesteuert werden kann: Wo Zigaretten spürbar teuer sind, wird auch weniger geraucht. Wo Gemüse und Obst billig sind, wird auch mehr verzehrt. Wo es noch intakte Frischmarktstrukturen gibt wie in vielen südlichen Ländern wird im Schnitt auch gesünder gegessen.

Vielleicht sollte man seitens der Politik etwas stärker eingreifen. Rauchverbote sind der erste wichtige Schritt. Ein Handicap und ein Dämpfer für Bemühungen um die Reduktion der Raucherquote ist aber, wenn Tabak günstig und leicht erhältlich ist. Das gilt auch für Alkohol. Und für Fast-Food.

Viele Menschen können sich teures Fleisch nicht leisten, auch nicht Obst.  Viele Geringverdiener und „Bildungsferne“ haben auch zu geringes Wissen über gesunde Ernährung. So entsteht ein Kreislauf, der sich fatal auswirkt.

Gesundes Leben beginnt mit gesunder Ernährung und einer gesunden Einstellung zum eigenen Körper. Da tut Aufklärung ebenso not wie eine offensive Kooperation mit Handel und Landwirtschaft. Wenn wir schon stolz sind auf den „Feinkostladen Österreich“ und Rekord Absätze bei Bio-Lebensmitteln, sollten wir auch dafür sorgen, dass diese Nahrungsmittel leistbar sind.

Sonst haben wir das, was im Gesundheitssegment schon Faktum ist: eine Zwei- und Dreiklassengesellschaft.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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