Schluss. Basta. Endlich. Striktes Rauchverbot in der Gastronomie ist beschlossen.

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Mit November ist es Aus mit dem Rauchen in der Gastronomie und Hotellerie. Aus, nicht nur für die konventionellen Zigaretten und Zigarren, auch für E-Zigaretten und Sisha-Bars. Das Gesetz ist eindeutig und strikter als geplant. Auch bei Volksfesten und in Zelten darf nicht mehr geraucht werden. Für die Gesundheit ist das ein wesentlicher Moment.

Österreich ist nicht mehr Schlusslicht in Europa, sondern hat sich an Standards angenähert. Es war auch Zeit. Denn erwiesen ist, dass Rauchen Ursache für die Mehrzahl der Lungenkrebserkrankungen ist, und in Ländern mit Rauchverbot die Anzahl der Lungenkrebstoten zurückgegangen ist.

Nichtrauchen ist Schutz für die Mitarbeiter in der Gastronomie, für Kinder und Jugendliche, es ist vor allem ein Signal für eine gesunde Lebensweise und da haben wir noch einiges aufzuholen.

Rauchverbot ist der erste Schritt. Jetzt geht es um wirksame Antiraucher-Politik: Um Aufklärung, Information und Imagekorrekturen. In Österreich ist Rauchen – verstärkt bei weiblichen Jugendlichen – noch immer Zeichen für Coolness und Zugehörigkeit zur Clique. In anderen Ländern ist Rauchen bereits stigmatisiert, es gilt als unschick und disziplinlos. So weit müssen wir noch kommen. Und das geht nicht mit Verboten allein.

Der zweite Schritt ist jener zu einer ausgewogenen, gesunden Lebensweise. Zu  vernünftiger Ernährung – ohne Modismen und Extreme, wie Veganismus etc  – und vernünftiger Mobilität. Die Schulen und Schulbehörden müssen mit den notwendigen Ressourcen ausgestattet werden.

Fakt ist, dass im Sommer alle Schulsportplätze geschlossen haben und auch während des Schuljahres mehr als die Hälfte unbenutzbar ist. Weil das Geld für Sanierung und Betreuung fehlt. Tatsache ist, dass ein großer Teil der Wiener Pflichtschüler über keine grundlegenden Kenntnisse über Nahrungsmittel besitzen und sich weitestgehend mit Snacks oder Convenience-Food ernähren, sie trinken zu süße und zuckerhaltige Fruchtsäfte und sind fettsuchtgefährdet. Die Zahl der adipösen Schüler steigt besorgniserregend an, die Abmeldungen vom Turnunterricht – aus welchen Gründen auch immer – steigen ebenfalls.

Österreicher bezeichnen sich zwar gern als Sportnation – die Sportbegeisterung konzentriert sich aber zumeist auf TV-Konsum mit Bier und Chips als Begleitung.

Dennoch: Am 03. Juli 2019 wurde im Parlament die richtige und zukunftsweisende Entscheidung gefällt. Es ist auch ein Tag der lebendigen, direkten Demokratie. Schließlich hat fast eine Million Österreicher das „Don’t Smoke“-Volksbegehren unterschrieben, obwohl keine große Werbeaktion und inszenierten Promotions erfolgten. Den Menschen war das Rauchverbot ein Anliegen.

Nochmals. Es ist keine Diskriminierung der Raucher. Sie finden auch weiterhin genügend Raum und Möglichkeiten sich eine Zigarette anzuzünden. Und es soll sie niemand verurteilen. Was allerdings forciert werden sollte sind Prävention und Suchttherapie. Hier sind wir  – das gilt auch für Alkoholkranke Menschen – in der Gesundheitsversorgung noch weit hinten. Auch dazu bedarf es neuer Angebote und Strukturen.

Aber wie gesagt: Der erste, erfolgreiche Schritt ist getan.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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