Ist Fastfood Kindesmisshandlung? Ehemaliger McDonald‘s-Manager überrascht mit harter Aussage.

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13 Jahre hat Harald Sükar als Geschäftsführer in Deutschland für McDonald’s gearbeitet. Er weiß mit welchen Raffinessen Kinder mit Burger und Co. verführt werden und fordert einen sofortigen Stopp.

„In einer Burger-Boulette ist nichts drinnen, was zu einer gesunden Ernährung führt“, sagte der ehemalige Manager und verweist auf einen dramatischen Fall, bei dem bei einem diabeteskranken Kind eine Fettleber diagnostiziert wurde.

Nun hat er ein Buch veröffentlich: „Fast Food ist Kindesmisshandlung“ steht groß drinnen – es ist das Zitat eines britischen Politikers. Sükar demonstriert an Hand von vielen Beispielen, dass McDonalds Kinder regelrecht süchtig machen kann. Und rechnet vor, dass ein Menü mit einem BicMac, einer Portion Pommes Frites und 0,4 Liter Cola 119 Gramm Zucker enthält. Das entspricht dem Zuckerbedarf eines Kindes von fast 5 Tagen.

Sükar betont er sei im Guten von McDonalds gegangen. Aber er kritisiert beispielsweise mangelnde Angaben zur Zusammensetzung der Nahrungsmittel, obwohl das gesetzlich gefordert ist.

Zuckerabusus ist tatsächlich ein großes gesundheitliches und gesellschaftliches Problem. Aufgabe der Politik ist es Handel und Gastronomie (vor allem Ketten, die ertragsorientiert sind) einzuschränken durch beispielsweise ein „Ampelsystem“, oder so wie in Österreich durch positive Kooperationen. So hat Spar Lebensmittel und Fruchtsäfte gelistet, die zuckerfrei sind und angekündigt, den Zuckeranteil bei den Grundnahrungsmitteln und Convenience-Foods deutlich zu reduzieren. Auch REWE und Lidl gehen in diese Richtung.

Denn: Die Zahl der adipösen Kinder steigt beängstigend stark an. Über die Hälfte aller Österreicher ist übergewichtig, ein Viertel zu fett.

Das  Steuern auf Fett oder Zucker nichts bringen, beweist ein inländisches Experiment. Sinnvoll sind Aufklärung, klare gesetzliche Regelungen und vor allem aktive Zusammenarbeit von Politik, Gesundheitsinstitutionen- und Interessensvertretungen sowie Handel und Industrie.

Erste Schritte sind gelungen, die Ärztekammer unterstützt die Spar-Initiative ebenso wie die gesunde Jause in Wien, die viel zu wenig beworben wird.

Und ich stelle nochmals die Forderung nach einem verpflichtenden Gesundheitskundefach in den Pflichtschulen und um die endgültige, flächendeckende Einführung der täglichen Turnstunde.

Kinder und Schüler sind leicht zu verführen: durch Werbung und vor allem durch den leichten Zugriff. Eine steigende Minderheit bekommt von den Eltern ein paar Euro in die Hand gedrückt. Damit gehen sie von der Schule schnurstracks ins Geschäft oder zum Burger. Schließlich haben die konsumentenfreundlichen Öffnungszeiten.

 

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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