Schluss mit Gewalt! Bitte ! In der Aggressionsgesellschaft sind immer mehr Ärzte Opfer und Tatobjekt.

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Der erschütternde Anschlag auf einen Kollegen ist kein Einzelfall. Aggressionen und Tätlichkeiten gegen Ärzte, Pflegekräfte und Mitarbeiter in Spitälern und Ordinationen nehmen beängstigend zu. Oft sind lange Wartezeiten, aber auch sprachliche und kulturelle Missverständnisse, Ursache und Auslöser.

Die Attacken kommen vielfach spontan und quasi „aus dem Nichts“. Die Opfer sind überrascht, können sich nicht wehren. Manchmal kommt es zu lebensgefährlichen Verletzungen.

Die Ursachen scheinen oft banal zu sein: lange Wartezeiten in Ambulanzen, Streitereien unter den Patienten und Wartenden, wobei die behandelnden Ärzte dann als Ventil genutzt werden.

Was man dagegen tun kann: Überwachung und noch mehr Polizeieinsatz sind wahrscheinlich kontraproduktiv. Ein Krankenhaus soll keinen Gefängnischarakter haben.

Was aber dringlich notwendig ist, ist mehr Personal und eine geförderte und bezahlte Schulung von Ärzten in Sachen Konfliktlösungen und Gewaltdeeskalation.

Ausreichend Ärzte bedeuten: geringere Wartezeiten, mehr Zeit für direkte Zuwendung und insgesamt eine bessere medizinische Versorgung.

Zumindest 300 bis 350 Ärzte in Bereich des KAV sind zusätzlich gefordert. Nicht wegen Gewaltminimierung, sondern, weil das medizinische Versorgungssystem sonst irgendwann einmal zusammenbrechen wird.

Die Ärzte arbeiten jetzt schon am Limit! Überstunden, die teilweise nicht einmal korrekt erfasst sind, sind Gang und Gäbe. Und das angesichts des neuen Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetzes, das demnächst in Kraft treten muss und eine Reduktion der Wochenarbeitszeit vorsieht und angesichts der kommenden Pensionierungswelle wird der Mehraufwand höher.

Man muss Geld in die Hand nehmen, sonst eskalieren Gewaltaktionen und Auseinandersetzungen und können irgendwann einmal Abteilungen nicht mehr besetz werden, oder müssen geschlossen werden.

Das kann und darf sich eine reiche Stadt wie Wien nicht leisten.

Zudem bedarf es auch einer gesetzlichen Änderung zur Abschreckung gewissermaßen. Wir fordern – durchaus im Einvernehmen mit anderen Berufsgruppen, die in der Öffentlichkeit arbeiten –, dass alle Angriffe auf Ärzte und Gesundheitspersonal von vornherein als schwere Verbrechen gehandelt und pönalisiert werden. Vielleicht hilft auch das.

Wirksamste Maßnahme aber ist: Mehr Personal und das auch angesichts weiter dynamisch steigenden Einwohnerzahlen und steigender Lebenserwartung.

 

Jedenfalls ist der Fall schockierend und alarmierend ich wünsche dem Kollegen viel Kraft und baldige Besserung.

 

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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