Jede zweite Klinik schließt? Deutsche Experten fordern Radikallösung. Grund: Personalmangel Gilt das auch für Österreich?

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Einer Untersuchung der renommierten Bertelsmann-Stiftung, die im Public Health-Bereich besonders aktiv ist, zufolge sollten von den knapp 1.400 Krankenhäusern in Deutschland nur 600 größere und „bessere“ weitergeführt werden: Sie hätten dafür mehr Personal und eine bessere Ausstattung. Der Rest sollte in Pflegehäuser umgebaut werden oder eventuell Gemeinschaftspraxen zur Verfügung stehen. Eine Lösung auch für Österreich?

„Nur in ausreichend großen Kliniken können Facharztstellen rund um die Uhr besetzt werden. Durch eine Konzentration könnten überall Computertopographie und ähnliche Geräte bereitstehen. Der Mangel an Pflegekräften könnte gemindert werden“, heißt es in der Studie .Krankenhausbetreiber sind skeptisch und sehen die „soziale Infrastruktur zerstört“.

So heiß wird wahrscheinlich nicht gegessen.

Faktum aber ist, das gilt auch für Österreich, dass der Ärzte- und Pflegemangel in absehbarer Zeit nicht behoben werden kann. Im Gegenteil, die Mangelsituation wird sich verschärfen. Und Tatsache ist, dass viele kleine Krankenhäuser gerade noch die Kernfächer anbieten können – bei großen Nachwuchslücken gerade am Land.

Aber Faktum ist auch, dass die wohnortnahe Versorgung Priorität hat.

Erreichbarkeit ist heute ein relatives Problem: bei funktionierenden Transportdiensten könnten Notfälle auch in regionalen Bereichen gut behandelt werden, auch, wenn da Krankenhaus 50 km entfernt ist.

Die Bertelsmann-Studie weist nach, dass für die Region Köln/Leverkusen und den angrenzenden, ländlichen Bereich bei einer Reduktion der Krankenhäuser von 28 auf 14 die Fahrzeiten im Schnitt gleich blieben.

Wer also hat Recht? Und wie packt man das zentrale Problem an, genügend Ärzte und genügend Pflegepersonal zu bekommen?

Ökonomisch gesehen ist klar: Konzentration ist billiger, mindert die Personalnot und kann Versorgungsqualität steigern. Ob das auch das Wohlbefinden der Patienten verbessert, ist zumindest fraglich.

Rechnerich schreibt jede dritte deutsche  Klinik deutliche Verluste und ein Drittel der Krankenhäuser hat weniger als 100 Betten, 40 Prozent der Kliniken unterschreiten zudem vorgeschriebene Fallzahlen.

In Österreich dürfte die Situation besser sein. Aber ohne Zusammenlegungen und Umwandlungen in Pflegehäuser wird es nicht gehen. So viel Selbsterkenntnis müssen auch Regional- und Lokalpolitiker beweisen.

Was bei uns fehlt, ist eine Bedarfsuntersuchung. Denn wir wissen gar nicht so genau, wie viel Vollzeitäquivalente in Österreichs Spitalswesen es gibt. Das ist bitter.

Also: Zuerst erfassen, einen Überblick verschaffen und dann gezielte Maßnahmen vorschlagen, die auch die soziale und emotionale Komponente nicht vernachlässigen.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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