Ein Plädoyer für das Freibad und Schwimmunterricht . Über die Hälfte der Jugendlichen kann nicht schwimmen. Tödliche Unfälle häufen sich.

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Badeunfälle mit Kindern häufen sich – auch tödliche. Der Grund: mehr als die Hälfte der Kinder, Schüler und Jugendliche können nicht schwimmen, mit steigender Tendenz.

Die Gründe sind vielfältig: der Turn- und Schwimmunterricht wird vernachlässigt, viele Frei- und Hallenbäder müssen geschlossen werden, weil die Gemeinden die Kosten nicht mehr tragen können, Schulbäder gibt es viel zu wenige.

Es ist dasselbe, wie bei der  Mobilität: 50 Prozent der Wiener Jugendlichen können weder auf einem Bein stehen noch rückwärtsgehen, die Zahl der adipösen und bewegungsarmen Kinder steigt, Kinder haben frühzeitig chronische Erkrankungen: Diabetes, Gelenkschäden, Fehlsichtigkeit aufgrund des Bildschirmabusus, Hörschäden. Gerade Fehlsichtigkeit, die in der Kindheit nicht rechtzeitig erkannt wird, kann kaum mehr behoben werden.

Was wir brauchen, ist ein Bewegungs- und Sportprogramm für junge Menschen. Wenn man beobachtet, welche Zusprüche E-Sports hat, dann findet man Erklärung: E-Sportler trainieren oft bis zu zehn Stunden am Tag: vor dem Bildschirm und mit dem Controller, auch das führt zu Fehlhaltung und Verspannungen.

Die Sportplätze hingegen sind verwaist und verkommen. Schulsportplätze – eigentlich ein Skandal – sind über den Sommer und meistens auch über die Wochenenden gesperrt.

Die tägliche Turnstunde ist weiterhin Illusion. Dafür sieht es mit der körperlichen Gesundheit österreichischer Jugendlicher nicht gut aus.

Eine jüngst erscheinende Statistik zeigt, dass 23 Prozent der Mädchen – ein höherer Anteil als bei den Buben – rauchen. In Österreich wird – als einziges Land in Europa – heute mehr geraucht als noch vor zehn Jahren. Gut, dass das Rauchverbot in der Gastronomie kommt. Aber es ist nur ein Schritt unter vielen, der getan werden muss ,um den Gesundheitszustand der österreichischen Jugendlichen zu verbessern und Ernährungsgewohnheiten zu verändern: weniger Zucker und Fett, mehr Obst, Gemüse und deutlich weniger Süßgetränke, die wahre Zuckerbomben sind.

Im Übrigen steigen – so das Kuratorium für Verkehrssicherheit – nicht nur die Badeunfälle von Kindern, auch die Verkehrsunfälle, in welche Kinder involviert sind. Eine nicht unwesentliche Rolle dabei spielen Handy und Entertainment während des Gehens im öffentlichen Raum. Konzentrationsmängel bei Kindern – und natürlich ach bei den betroffenen Autofahrern – nehmen zu.

Wir brauchen umfassende Prävention, Aufklärung und endlich die Realisierung eines von uns schon seit Jahren angestrebten Pflichtgegenstandes Gesundheits -und Ernährungslehre an alle Pflichtschulen.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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