Stethoskop und weißer Kittel sollen bleiben! Empirische Studie :Weißer Mantel und weiße Hose sind für das Vertrauen des Patienten extrem wichtig.

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Der Arzt im weißen Kittel, mit weißer Hose, am besten noch mit Stethoskop: diese Berufskleidung ruft bei Patienten immer noch das stärkste Vertrauen hervor. Anzüge, Jeans und lässiger Look werden offensichtlich mit Vertrauensminderung interpretiert. Das ergibt eine empirisch fundierte Studie des Universitätsspitals Zürich.

Rituale und klassische Bilder sind für die Patienten wichtig, stärken das Vertrauen, geben das Gefühl von Kompetenz und richtiger Diagnose. Gar nicht gut kommen laut Umfrage Ärzte im Businesslook und Ärztinnen im Kostüm an. Patienten interpretieren diese Ärzte so, als seien sie schon auf den Weg in die Freizeit oder ausschließlich businessorientiert.

Lediglich bei Chirurgen wird eine Ausnahme gemacht. Sie dürfen Funktionskleidung tragen-das klassische grüngrau.. Die Studie weist  nach, dass viele Klischees tatsächlich stimmen. Patienten wollen möglichst bunte Tabletten statt grauer Pastillen. Eine voluminöse Spritze mit großer Nadel, die möglichst viel Schmerzen verursacht, wird als wirkungsvoller erachtet als eine dünne, feine Nadel, mit der gewissermaßen nur „punktiert“ wird.

Was allerdings nicht mehr ins Bild passt ist der „Gott in Weiß“. Autoritäres, professorales Verhalten lehnen Patienten ab. Für sie ist der Arzt Coach, Begleiter, Ratgeber, der zur Strenge auch Toleranz zeigt. Aber in weiß.

Vor allem bei Hausärzten – die laut Untersuchung am seltensten weiße Kittel und Hosen tragen – wird der Auftritt in weiß geschätzt – und selbstverständlich als erste Handlung das Abhören mit dem Stethoskop. Das wird von vielen Patienten als vertrauensbildend und  Zeichen der Aufmerksamkeit interpretiert. Und sie sind dann eher bereit, konkret über ihre Schmerzen oder Befindlichkeiten zu sprechen.

„Man kann nicht, nicht kommunizieren“ hat Paul Watzlawick gesagt und dabei sehr wohl auch die non-verbale Kommunikation gemeint. Kleidung, Körperhaltung und professionelles Outfit gehören zu dieser non-verbalen Kommunikation, die gerade in der Medizin so bedeutsam ist dazu. „Hören und dann urteilen“, das war Leitspruch schon in der Medizin des Altertums.

Man muss derartige Studien nicht überbewerten, aber sie sind eines von vielen Indizien, das Medizin vor allem Zuwendung, Vertrauensstiftung und Zuhören ist – wenn es dazu genügend Zeit gäbe und das ist wieder eine Frage des Personals.

Somit wären wir bei der Grunddebatte: ohne genügend Ärzte und Pflegekräfte lässt sich ein empathisches Gesundheitssystem, das auch effizient und menschlich ist, nicht aufbauen.

Und ein derartiges System käme auf die Dauer billiger als ein interventionistisches Sparmodell. Weil es das Wohlbefinden des Patienten und die Wertschätzung der Ärzte im Fokus hat.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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