Das Maß aller Dinge: Wohlbefinden! Wir brauchen einen erweiterten Gesundheitsbegriff.

1,175 total views, 5 views today

Immer mehr Menschen definieren sich über ihre Krankheit und nicht über ihre Gesundheit. Dazu trägt auch unser System bei: ein Krankenkassensystem, das nur zahlt, wenn der Betreffende als krank oder verletzt diagnostiziert wird. Wer vorsorgen will, muss selbst zahlen, außer es genügt ihm die kostenlose Gesundenuntersuchung. Nicht einmal private Zusatzversicherungen zahlen bei Prävention. Gerade das aber wäre sinnhaft- und könnte sogar zu einer Kostendämmung, in jedem Fall aber zu einem höheren Wohlbefinden der Menschen führen.

Österreich hinkt bei der Prävention seit Jahren nach – damit ist auch der relative schlechte Allgemeingesundheitszustand – vor allem von Jugendlichen – zu erklären: sie ernähren sich ungesund, konsumieren zu viel Zucker, trinken zu viel Alkohol und sind on Top bei der Raucherquote, interessanterweise vor allem bei jüngeren Frauen.

Was für die Vorsorge gilt, gilt auch für postoperative Pflege und Rehabilitation. Es fehlen Pflegebetten und Plegeplätze sowie mobile Plegeservice. Das führt wiederum dazu, dass wir zu den wiedereinweisungsstärksten Ländern gehören. Zwar ist die stationäre Aufenthaltszeit gesunken, dafür die Zahl der raschen Wiedereinweisungen – oft nach wenigen Tagen – gestiegen.

Nebenbei gesagt: die meisten Krankenhausbetreiber sind gar nicht unglücklich darüber, und die Sozialversicherung auch nicht. Aber: es geht zu Lasten der allgemeinen Finanzierung des Gesundheitssystems. Solange dieser Kreislauf nicht durchbrochen wird, wird sich auch wenig ändern.

Wir müssen die Pyramide auf den Kopf stellen: Breite Vorsorge und Aufklärungsmaßnahmen, begleitendes Gesundheitscoaching von der Schule an – ich verweise nochmals auf unsere Forderung nach einem verpflichtenden Gesundheits- und Ernährungsunterricht – über den Arbeitsplatz bis zur jährlichen umfassenden und verpflichtenden Gesundenuntersuchung, die beispielsweise auch Colonoscopie oder Mammografie enthält.

So aber verharren wir in der akuten Intervenitis: hier Spitzenleistungen zu erbringen ist notwendig, schließlich gibt es verstärkt chronische Erkrankungen, nimmt die Zahl der schweren Freizeitunfälle und Krebs Erkrankungen zu. Denn aber sollten wir wesentlich stärkeres Gewicht auf Vorsorge legen.  Wie heißt es im neuen Hippokratischen Eid: Gesundheit und Wohlbefinden sind an erster Stelle.

Oder banal gesagt: Vorsorge ist besser als aufwendig heilen.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

Kommentar verfassen