Aut idem. Darf nicht sein. Wirkstoffe statt Medikamente – fragwürdige und abzulehnende Alternative?

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Wieder einmal geht es um das Aut Idem. In den vergangenen Wochen häuften sich Fälle von Medikamentenverknappung – einiges war nicht vorrätig. Nunmehr wird der Vorschlag gemacht, Ärzte sollten Wirkstoffe statt nicht vorhandener Medikamente zu verschreiben. Eine zweitgleisige Geschichte. Und eine klare Antwort : nein. Denn man weiß: Patienten, insbesondere Ältere, sind Gewohnheitskonsumenten. Sie wollen ihre Farben und  ihre wiedererkennbaren Schachteln – sonst werden sie misstrauisch.

Das ist ein psychologischer Grund – dafür gibt es genügend empirische Studien und Beweise. Das andere aber ist ein ökonomisches Phänomen. Medikamentenverknappung kommt nicht aus dem heiteren Himmel. Zunächst wird in der Regel nur das „gelagert“, was im Jahr zuvor auch bestellt wurde. Und zweitens ist Österreich ein  kleiner, auch dazu eher teurer Markt. Die Pharmaindustrie geht primär nach Ertragsparametern vor: größere Märkte bedeuten mehr Absatz – und mehr Gewinn.

Zudem musste die Pharmaindustrie – aus ihrer Sicht –  hierzulande  in den vergangenen Jahren viele Federn lassen: Rabatte, Anschläge etc.

Das zweite ist ein medizinisches Problem: Der Wirkstoff mag zwar ident sein, aber nicht die Füllstoffe, die Aufnahme oder die Verstoffwechselung. Deshalb sollen Ärzteinnen und Ärzte und nicht Apotheker oder Patientenanwälte Medikamente verschreiben.

Das dritte: Den Apotheken wäre es sehr recht, könnten sie  Aut Idem abgeben. Und selbst befinden, was sie den Patienten geben.  Weniger Kosten für Lagerhaltung, sind keine Argumente für die Patienten, sondern würden nur die Gewinne der Apotheken erhöhen.

Deshalb  : Aut Idem .Nein. Die Autorität des Arztes – schließlich ist er verantwortlich – sollte nicht untergraben werden. Uns es wäre auch weniger hilfreich, das Vertrauen von Patienten aufs Spiel zu setzen.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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