Impfen in der Schule. Gut so! Datenstandards, Schutzimpfungsstandards – ein erster Schritt zur Prävention. Was fehlt: ordentliche Honorare.

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Endlich eine konstruktive und zukunftsweisende Regelung des Gesundheitsministeriums: Erstmals werden Gesundheitsdaten von Schülern  standardisiert erhoben – und können auch ausgewertet werden, statt irgendwo zu verdämmern. Das hilft bei Präventionsmaßnahmen. Und erstmals gibt es eine exakte Definition der Aufgaben und Kompetenzen von Schulärzten bei Schutzimpfungen. Es war an der Zeit.

Die Durchimpfungsrate in Österreich ist bei bestimmten Krankheiten und Krankheitserregern beschämend niedrig: deshalb kommt es wieder zu nahezu epidemischen Masernerkrankungen, Mumps, auch TBC tauchen verstärkt wieder auf

. Nunmehr gibt es zumindest für die Schulen und Schulärzte einheitliche Regelungen. Ein weiterer notwendiger Schritt wäre die Einführung der Impfpflicht – wir werden uns jedenfalls stark dafür machen.

Ebenso wichtig ist die Erhebung von Gesundheitsdaten nach klaren Standards: nur so kann wirksam Prävention betrieben werden – zum Beispiel bei Fettsucht oder Mobilisierung- und Koordinierungsproblemen, aber auch bei Augenerkrankungen und Hörschäden die deutlich zunehmen. Bedingt auch durch die neuen Medien und das permanente online sein.

Es bleibt aber noch ein Problem. Es gibt zu wenige Schulärzte in Österreich, und diese werden nicht adäquat bezahlt. Dabei sind sie es, die frühzeitig warnen, eingreifen, kontrollieren und empfehlen könnten. Und damit Krankheiten verhindern , bevor sie manifest sind oder Suchtmechanismen erkennen, bevor sie sich verfestigen.

Wir fordern schon seit Jahren mehr Geld für Prävention und eine flächendeckende Versorgung mit Schulärzten und/oder Ernährungsexperten. Wir fordern die Pflichtfächer Gesundheits- und Ernährungslehre. Und die täglichen Turnstunden.

Dazu braucht man qualifiziertes Personal, ein Curriculum, das mit Unterstützung der Ärzte erstellt wird und die enge Zusammenarbeit von Schulärzten, Sportpädagogen und Ernährungsexperten. Warum sollten diese nicht gemeinsam im Team unterrichten oder an den Nachmittag an Ganztagsschulen eigene Bildungsmaßnahmen und Praktika  anbieten.

Alles das würde relativ in kurzer Zeit zu einer Verbesserung des Gesundheitszustandes bei Jugendlichen und Kindern führen und würde langfristig Milliarden Euro an Behandlungs- und Interventionskosten einsparen. Man müsste nur einmal Geld in die Hand nehmen und investieren: In die Zukunft unserer Kinder.

Wir tragen gerne das unsrige bei.

 

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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