Arzt stellt Arzt an. Gut so. Ein wichtiger Schritt zur Bekämpfung des Ärztemangels.

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Seit Jahren haben wir darum gekämpft. Nun gibt es erstmals ein Übereinkommen mit der Sozialversicherung, dass Ärzte Ärzte anstellen können – als Hausärzte, im Rahmen von Gruppen Praxen oder Primärversorgungszentren. Damit besteht auch beispielsweise die Möglichkeit, dass eine Ärztin, die  Kindererzieherin ist, eine Praxis gewissermaßen mit einer zweiten Kollegin teilen kann- das gilt auch für erziehende männliche  Ärzte.

Vielen jungen Ärzten geht es heute nicht primär ums Geld und um ausschließliche Berufs Karriere, sondern sie wollen ihre eigenen privaten Lebenskonzepte verwirklichen, Balance zwischen Arbeit und Freizeit oder wissenschaftlichen Forschungen finden.

Und es gibt Ärzte in Partnerschaften die gemeinsam eine Ordination betreuen wollen, und ihre Kinder aktiv begleiten. Die Gesellschaft und das gesellschaftliche Selbstverständnis haben sich geändert.

Viele Gruppenpraxen können überhaupt erst dadurch gebildet werden, dass Ärzte Ärzte anstellen., Nicht jeder will unternehmerischer Arzt sein, viele wollen Sicherheit und ein geregeltes Einkommen bei geregelten Diensten.

Noch ein Vorteil: Allgemeinmediziner betreuen oft bis zu 1200 oder 1500 Patienten, denen sie sich rein rechnerisch nicht voll widmen können. Zu zweit geht es leichter. Man teilt sich die Hausbesuche oder die Dienste an Tagesrandzeiten.

Eines steht fest: Jede Stärkung und Flexibilisierung des extramuralen niedergelassenen Bereiches entlastet die Spitalsambulanzen und verbessert die direkte Betreuung von Patienten vor Ort.

Außerdem: warum sollten Krankenhausärzte nicht auch einmal das Bedürfnis haben zu switchen. Und für ein paar Jahre in einer Ordination zu arbeiten, um neue Erfahrungen zu sammeln.

Fest steht aber auch: Wenn der extramurale Bereich seine Öffnungszeiten ausbaut und anpasst, müssen auch demensprechend höhere Honorare bezahlt werden. Nicht nur für die Nachstunden, auch für das zusätzliche administrative Personal.  Hier werden wir nicht lockerlassen und unsere Forderungen stellen.

Volkswirtschaftlich gesehen bringt die verstärkte Verlagerung von Patientenbetreuung in den extramuralen Bereich nur Vorteile. Es sind Investitionen, die sich auch rechnen.

Jetzt geht es darum, dass auch die Politik sich ihrer Verantwortung bewusst wird und das bislang eher lippenhafte Bekenntnis zum Allgemeinmediziner auch tatsächlich umsetzt. Und endlich lernt, Wertschätzung jenen gegenüber zu manifestieren, welche die Säulen des Gesundheitssystems sind: Ärzte und Fachpflegekräfte.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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