Sind die E-Scooter schuld? Tausende Unfälle für Heuer geschätzt: Das sind tausende Behandlungen, die Geld kosten.

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Die E-Scooter Welle beschäftigt die Medien und die Menschen.. Und immer mehr Anbieter drängen sich auf den Markt. E-Scooter sind freilich fragile, gefährliche Fahrzeuge, die gerne unterschätzt werden. Kein Wunder, dass es laufend zu teilweise schweren Unfällen kommt. Etwa 100 sind für heuer erwartet ,so die erste große Studie .Das bedeutet: deutlich höhere Frequenz in den Ambulanzen, mehr Rettungseinsätze, teilweise langanhaltende Therapien. Das Gesundheitssystem muss dies verkraften – und niemand fragt warum.

Alle reden nur von den steigenden Gesundheitskosten, und darüber wie schlecht das System sei. Aber niemand sieht einen Zusammenhang mit den tatsächlich rasant steigenden Patienten- und Unfallzahlen: Täglich ein Toter bei Autounfällen, die Zahl der schweren Motorradunfälle steigt bedenklich, sagt das Kuratorium für Verkehrssicherheit. Badeunfälle häufen sich, weil immer weniger Kinder schwimmen können. Und jetzt noch die E-Scooter-Unfälle, in die immer mehr Fußgänger schutzlos involviert sind. Und die Sportunfälle steigen jährlich um einen zweistelligen Prozentsatz.

Ich bin weder gegen Scooter, noch gegen das Motorradfahren. Ich möchte nur darauf aufmerksam machen, dass dadurch die Belastung auch für das angebliche so teure und ineffiziente Gesundheitssystem steigt.

Dasselbe bei Handys: Unfälle mit nicht aufmerksamen Handy-Usern häufen sich, sodass man bereits die Zebrastreifen mit Sensoren ausstattete, um „Nacht“-Unfälle zu vermeiden. Auch das kostet Geld.

Es gäbe eine ganze Liste von Krankheiten oder Unfallursachen, die es bis vor einem oder zwei Jahren nicht gab. Wir Ärzte sehen uns mit ganz neuen Herausforderungen konfrontiert.

Anderseits: Es gibt in Österreich viel zu wenige Unfallchirurgien, und die sind ausgelastet bis zum Rand der Kapazitäten. Personal will man nicht einstellen – oder kann man nicht, weil man niemanden findet.

Gestehen wir uns doch endlich ein: Die Gesundheitsversorgung wird deutlich teurer werden, weil eben Patientenzahlen steigen, weil neue akute Behandlungen notwendig sind – und auch weil chronische Krankheiten schon bei Jugendlichen enorm ansteigen.

Es nützt nichts, dauernd vom Einsparen zu reden, auf der anderen Seite  aber die neue Freiheit der urbanen Bewegung zu feiern oder die neue unendlich große Freizeitwelt.

Inzwischen vermissen hunderttausende Kinder und Jugendliche grundmotorische Fähigkeiten und Techniken: zum Beispiel Schwimmen, Laufen oder um etwas ganz Altes zu nehmen: Tempelhüpfen. Da muss man springen können. Die wenigsten können es.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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