Patienten wollen Medikamente beim Hausarzt beziehen ! Ein Plädoyer für mehr Hausapotheken und ein Nein zu Aut Idem.

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Die Medikamente soll weiterhin ausschließlich der Arzt verschreiben. Und nicht der Apotheker entscheiden, welches Mittel er hergibt. Das wünschen sich laut repräsentativer Studie 84% der Patienten. Und immerhin zwei Drittel wollen die Medikamente auch direkt beim Arzt beziehen – nicht nur am Land, wo es weit ist bis zur nächsten Apotheke, auch in der Stadt. Nicht aus reiner Bequemlichkeit, sondern wegen des hohen Vertrauens in den Arzt.

Das ist keine Attacke auf die Apotheken, die zum Großteil sehr gute Arbeit leisten, sondern ein Spiegel der Patientenmeinung. Und gerade auf die Meinung der Patienten, auf deren Bedürfnisse und Sicherheitsanforderungen sollten wir alle mehr Rücksicht nehmen.

Das beste Gesundheitssystem ist dasjenige, das Patientenorientierung, Zuwendung und Spitzenmedizin miteinander verbindet und zudem niedrigschwellig ist – das heißt für alle zugänglich, die hier leben und arbeiten.

Das muss das Ziel einer vorausblickenden Gesundheitspolitik sein, die auf Partnerschaft mit Ärzten und Pflegefachkräften ausgerichtet ist, statt permanent Feindbilder zu produzieren und zur Erhärtung von Fronten beizutragen.

Das betrifft die oft  sture Haltung der Politik – vor allem in den Ländern – in Sachen Personal. Vielfach gibt es keine Nachbesetzungen, werden Planposten gestrichen und Turnusärzte inadäquat eingesetzt, sodass deren Ausbildung leidet.

Dasselbe trifft auch auf die rigide Haltung der Sozialversicherungen zu, die äußerst zurückhaltend mit der Freigabe von Kassenverträgen sind. Die jüngste Vereinbarung, wonach Ärzte Ärzte anstellen können, ist immerhin ein erster Schritt zum Aufbrechen eines verkrusteten Systems und Chance für viele Ärzte, die entweder Teilzeit arbeiten wollen oder müssen oder andere Lebenskonzepte haben.

Zurück zu den Medikamenten: Am Land sind Hausapotheken teilweise die einzige Möglichkeit der raschen Patientenversorgung und wohlverdientes Zusatzeinkommen für Allgemeinmediziner, die ohnehin geringe Honorare erhalten. Das Netz der Hausapotheken muss gerade in diesen Gegenden – noch dazu bei älteren Patienten und schlechten öffentlichen Verkehrsanbindungen – ausgeweitet werden. Es ist effizienter und letztendlich auch kostenschonender.

Generell aber sollte es jedem Arzt ermöglicht werden, zumindest die wesentlichen Medikamente und Schmerzmittel – von zum Beispiel Antibiotika oder Sedativa – direkt den Patienten zu übergeben. Manchmal ist eine rasche Einnahme notwendig.

Auch hier gilt: Vernünftig miteinander reden, alle – auch die Apotheken – an Bord holen und offene flexible Lösungen angehen.

Letztendlich geht es um die rasche und unkomplizierte Hilfe für den Patienten. Im Übrigen kann der Arzt auch so besser kontrollieren, wie regelmäßig der Patient die Medikamente einnimmt, Dosierungen besser justieren.

Sowohl für Ärzte als auch Apotheker – und darum geht es um Zeiten – gibt es eine große Bedrohung. Die Internetapotheken und Online-Plattformen, auf denen man Medikamente bestellen kann.

Man sollte Patienten nicht noch ermuntern, das in Anspruch zu nehmen.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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