Unsere Kinder besser schützen! Mehr tödliche Unfälle als in den Vorjahren, mehr Adipöse und ADHS-gefährdete bereiten Sorgen.

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So viele – auch tödliche – Unfälle von Kindern hat es schon jahrelang nicht gegeben. Bereits nach der ersten Jahreshälfte ist die Zahl des Vorjahres erreicht. Signifikant: Straßenverkehrsunfälle sowie Schwimm- und Freizeitunfälle. Um Gesundheit und Fitness unsere Jugend ist es nicht gut  gestellt. Aufgabe einer nachhaltigen Gesundheitspolitik aber  ist es, bei den Kindern anzufangen. Zum Beispiel beim Thema Impfen oder Gesundheitslehre.

Die Durchimpfungsrate ist in Österreich nahezu beschämend niedrig und in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken. Aus diesem Grund hat sich die Ärztekammer auch für ein umfassendes Impfgebot ausgesprochen und für eine Koppelung der Impfung mit dem Erhalt des Mutter-Kind-Passes.

Jedes dritte Kind und jeder dritte Jugendliche ist übergewichtig, die Zahl der adipösen Kinder nähert sich der 10-Prozent-Marke, mehr als jedes zweite Kind kann nicht schwimmen – auch deshalb , weil der Schwimmunterricht vernachlässigt wird oder es keine geeignete Infrastruktur gibt. Anderseits gibt es immer mehr magersüchtige und bulimische Kinder und Jugendliche, bedingt auch durch mediale Schönheitsdiktate.

Über die Hälfte der Schul-Sportplätze sind nicht benutzbar, nahezu alle sind über die Ferien und über das schulfreie Wochenende geschlossen, das Abmelden vom Turnunterricht wird äußerst lax behandelt, von der täglichen Turnstunde sind wir weit entfernt.

Erstaunlich viele Unfälle ereigneten sich direkt vor der Schule – und zumeist sind die Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, daran schuld. Sie verursachen Verkehrstaus, Aggressionen häufen sich schon in den Morgenstunden. Aus diesem Grund gehen immer mehr Gemeinden dazu über, die Zufahrtstraßen zu den Schulen breiträumig zu sperren, es gibt Initiativen, wie den gemeinsamen Schulweg, wo Kinder in Gruppen, begleitet von Erwachsenen, zu Fuß in die Schule und von der Schule nach Hause gehen.

Nahezu ein Drittel der Kinder hat den jährliche Zuckerkonsum, der verträglich ist, schon nach zwei Monaten erreicht. Hauptgrund sind Süßgetränke und Fast Food sowie Convenience Food. Dasselbe gilt für Süßigkeiten zwischendurch und den weitaus zu geringem Verzehr von Obst und Gemüse. Ein Großteil der Schulen wird zentral von Großküchen beliefert – was in großen Städten zum Teil zu den bedenklichen  Qualitätsverlusten führt. Die schulautonomen Budgets sind zu gering, als dass sich Schulen eigene Mensen, Küchen oder gar nachmittags Koch- und Ernährungskurse leisten können.

Als positiv zu sehen ist, dass es nun endlich eine verlässliche Regelung für Schulärzte und deren Kompetenzen gibt, dass Daten gesammelt und ausgewertet werden können. Die Schattenseite: es gibt zu wenige Schulärzte und die sind vor allem in den Bundesländern deutlich zu schlecht bezahlt.

Die Fridays-for-Future-Bewegung hat gezeigt, wie sehr sich Jugendliche um ihre Zukunft kümmern, welches Engagement sie für die Klimafrage aufbringen und mit welcher Klarheit sie ihren Eltern und Großeltern vorwerfen, sie hätten es verabsäumt, sich um die Überlebensfähigkeit der Welt und der Natur zu kümmern.

Eine solche Bewegung wünscht man sich auch für ein „gesundes und nachhaltiges“ Leben. Unsere Generation darf sich nicht vorwerfen lassen, sich zu wenig für Gesundheit und „Selbstsicherheit“ der Kinder gekümmert zu haben.

Deshalb: starten wir eine Aktion. „Jung. Gesund ernähren. Gesund leben.“

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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