Gemeinden wollen Schulärzte abschaffen ! Das ist nicht Föderalismus, sondern Engstirnigkeit!

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Der Präsident des Österreichischen Gemeindebundes hält von der neuen Richtlinie für Schulärzte, die von der Ärztekammer sehr begrüßt wird, nichts. Wieder einmal geht es um Kosten und angebliche Datenschutzprobleme. Der Gemeindebund meint, Schulärzte seien überflüssig, stattdessen sollte der Mutter-Kind-Pass bis zum 18. Lebensjahr ausgeweitet werden. Zudem funktioniere derzeit ohnehin so gut wie gar nichts, Schulärzte würden im Schnitt bis zu 80 Schüler in einer Stunde durchschleusen. Für mich klingt das nach Ausflüchten.

Faktum est, dass für die Finanzierung der Schulärzte an Bundesschulen der Staat verantwortlich ist: also für alle AHS und höhere Schulen.

Hingegen sind für den Pflichtschulbereich die Gemeinden auch finanziell verantwortlich und die wollen offensichtlich nichts mehr bezahlen oder sich die Ausgaben refundieren lassen. Deshalb schützen sie auch Datenschutzprobleme – angeblich würden die Daten nicht anonymisiert, sondern lediglich pseudonymisiert – vor. Abgesehen, dass man dies mit einer Anordnung ändern könnte, fragt man sich, was die Gemeinden gegen einen österreichweiten Datenabgleich haben, warum sie sich gegen eine umfassende Datenanalyse sperren. Ohne repräsentative Daten kann man keine Prognosen erstellen und auch kein vernünftige Präventionspoltitik gestalten.

Österreich ist zu Recht stolz auf den Föderalismus und vieles kann auch vor Ort besser gelöst werden als durch eine zentrale Verwaltung.

Hier aber geht es um Gesundheit und die sollte kein Spielball der Politik sein.

Der Gemeindebund schlägt vor, die Schüleruntersuchungen durch niedergelassene Ärzte durchzuführen– beispielsweise Impfungen in deren Ordination. Es sind vielfach diejenigen Gemeinden, die lautstark nach mehr Kassenärzten rufen aber keine Ärzte finden.

Wieder einmal macht man es sich einfach: die niedergelassenen Ärzte, die ohnehin schon am Rande der Kapazitäten sind, sollen einspringen.  Zahlen wird es wohl die Sozialversicherung und die Gemeinden stehen als die Guten dar.

So geht nachhaltige und vorsorgende Gesundheitspolitik nicht und so wird sich auch das – nicht gerade exzellente – Gesundheitsbild der Schüler und Jugendlichen nicht verbessern lassen.

Ich wünsche mir etwas mehr Vernunft, Zusammenarbeit und weniger Disput post Factum. Mann kann Argumente auch rechtzeitig einbringen. Gelebter Föderalismus hat nichts mit Kleinkrämerei zu tun.

 

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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