Dementieren kann die Wahrheit nicht verbergen ! Eklatanter Personalmangel im Krankenhaus Nord.

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Zuerst hat man jahrelang dementiert, dass die Kosten deutlich steigen würden. Dann hat man dementiert, dass sich der Bau verzögert – so lange bis man mit der Wahrheit herausrücken musste. Nun ist der Probebetrieb gestartet – einigermaßen holprig – und man hat wochenlang etwaige Personalprobleme und Kapazitäten-Engpässe bestritten. Nun ist das Dilemma da: Es gibt deutlich zu wenig Ärzte, manche Fächer können nicht besetzt werden. Der KAV und die Stadt Wien sollten ihre Kommunikations- Strategie überdenken. Und endlich den Personalstopp beenden. Sonst kracht das System mangels Ärzten und Fachkräften.

Ärzte und Ärztekammer haben gewarnt und mehrfach darauf hingewiesen. Es wurde als Alarmismus abgetan. Wie so vieles, dass auf harten Fakten basiert.

Das Dilemma betrifft nicht nur das Krankenhaus Nord, betroffen sind auch andere Krankenhäuser in Wien, die teilweise im desolaten Zustand sind. Der optische Eindruck auf die Patienten ist deprimierend und trägt sicher nicht zur raschen Genesung bei.

Jetzt werden große Sanierungsarbeiten angekündigt und plötzlich gibt es – sowie man glauben darf – 2 Milliarden Euro.

Und das Ganze wiederholt sich. Man ist nicht bereit, gleichzeitig auch mehr Planposten zu schaffen, die Diensträder gerecht zu gestalten, ganz zu schweigen von der Einhaltung des KA-AZG. Die Personalknappheit wird sich in den nächsten drei Jahren noch verschärfen. Die Baby-Boomer-Generation geht in Pension, es gibt zu wenig qualifizierten Nachwuchs. Noch dazu gilt der KAV nicht gerade als attraktiver Dienstgeber, sodass sich viele von anderen Spitälern an- und abwerben lassen. Es ist nicht nur die Bezahlung alleine, es ist das Arbeitsumfeld, die Diensteinteilung und die mangelnde Wertschätzung, welche die Wiener öffentlichen Krankenhäuser unattraktiv macht.

Und dann noch das permanente Ärztebashing seitens der Politik, was die Kooperation erschwert.

Die Verzahnung zwischen niedergelassenem Bereich und muralem Segment geht nicht wirklich weiter. Zwar wurde unlängst eine neue PVE eröffnet, eine andere aber geschlossen.

Die Taktik des KAV wird nicht aufgehen. Zuerst dementieren, dann kontern und schlussendlich Stück für Stück mit der Wahrheit rausrücken.

Das lassen sich auf Dauer weder die Ärzte, die Pflegekräfte und schlussendlich auch die Patienten nicht gefallen.

Es ist beinahe tragisch wie die einstige „Medizinhauptstadt Wien“, wie es eine ehemalige Gesundheitsstadträtin formulierte, zu einem Torso gemanagt  wird.

Deshalb: Mut zur Wahrheit! Mut zur konstruktiven Zusammenarbeit! Das gilt für die Krankenhäuser ebenso wie für die niedergelassenen Kassenärzte und auch für die Wartezeiten: die werden sich nicht vorschreiben lassen, was zu tun und was zu lassen sei.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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