Die neue Armut heisst: Fettleibigkeit. Erstmals mehr übergewichtige als unterernährte Kinder.

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Ist Fettleibigkeit das neue Zeichen für Armut. Wenn man der WHO glaubt ja: Während die Zahl der Kleinkinder, die an Mangelernährung leiden, weltweit  um fast die Hälfte auf   149 Millionen zurückgegangen ist, hat sich der Anteil der Fettleibgien an der Gesamtgesellschaft seit 1980 mehr als verdoppelt. Knapp 2 Milliarden Menschen sind deutlich übergewichtig- bei den Kindern ist die Dynamik am höchsten: Diabetes, Adipositas, Herz-Nieren und Darm Erkrankungen nehmen deutlich zu.

Zwischen Fettleibigkeit und Armut sowie Bildungsgferne gibt es deutliche Zusammenhänge: je weniger wohlhabend, um so schlechter ernähren sich Menschen, essen signifikant viel convenience Food , Snacks, Chips und andere fetthaltigen Speisen,  kaum Gemüse und Obst und rauchen auch früher und mehr.

Insbesondere in den Schwellenländern und wirtschaftlich starken neuen Regionen im fernen Osten und in Lateinamerika ist der Prozentsatz an übergewichtigen adipösen Kindern extrem hoch. Auch in den wohlhabenden Staaten sind die Übergewichtigeren bereits in der Mehrzahl. Zu den vorhin genannten Krankheiten gesellen sich auffällig viele chronische Schädigungen: Augen, Gehör und Wirbelsäule.

Die körperliche Mobilität sinkt, die Koordinationsfähigkeit ebenfalls. Der Zuckerkonsum ist überdurchschnittlich hoch – vor allem versteckter Zucker in Süßgetränken und Snacks.

Die WHO merkt an: „Mit gezielten Investitionen in gesündere Ernährung könnten Millionen Menschenleben gerettet werden. Alleine durch die Reduktion der täglichen Salzmenge auf 5 Gramm könnten jährlich 1,2 Millionen Menschen das Leben retten.

Der Bericht der WHO sollte für uns ein Alarmzeichen sein. Und Anlass weit mehr als bislang in Prävention, Aufklärung und Gesundheits-und Ernährungslehre zu investieren. Und zwar vom Kindergarten und der Vorschule an.

Gleichzeitig muss wesentlich mehr in Bildung investiert werden. Derzeit verlässt ein Viertel der Österreicherinnen die Pflichtschule, ohne sinnerfassend lesen und schreiben zu können oder die Grundrechenarten zu beherrschen. Bildungsmangel ist zumeist die Einbahnstraße in die Arbeitslosigkeit oder in extrem schlecht bezahlte, zumeist prekäre Arbeit. Und das wiederum führt zu ungesünderer Ernährung, weil qualitativ hochwertige Nahrungsmitte zu teuer sind oder man sie nicht einmal kennt.

Das evoziert hohe volkswirtschaftliche Kosten und indirekt wieder zu hohen Ausgaben in der Krankheits Bekämpfung und Therapie. Diesen Kreislauf zu durchbrechen wäre Aufgabe eines guten Gesundheitssystems und einer nachhaltigen Bildungs- und Sozialpolitik. Und würde positive Folgen auf die Gesamtgesundheit einer Population zeitigen.

Darüber gilt es zu diskutieren. Nicht über Rationalisierungen, Sparmaßnahmen und Rationierungen in der Gesundheitsversorgung- das führt in eine Sackgasse.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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