Und jetzt? Wie weiter? Ärztekammer hat Forderungen an die künftige Regierung deponiert.

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6 Milliarden Euro werden mittel- bis kurzfristig notwendig sein, um die flächendeckende Gesundheitsversorgung und Pflege in Österreich zu sichern und die dringlichen Lücken zu füllen. Das hat die Ärztekammer mit Fakten belegt. Wobei man sich im Klaren sein muss, dass man adäquate, geschulte Ärzte und Pflegekräfte nicht von heute auf morgen aus dem Hut zaubern kann. Wenn heute jemand beginnt Medizin zu studieren, ist er in der Regel in zehn Jahren voll ausgebildeter Facharzt oder Allgemeinmediziner. Auch das wissen wir seit geraumer Zeit.

Und eines sei klargestellt: Bei der genannten Milliardensumme handelt es sich nicht um Gefälligkeiten oder Sonderwünsche, sondern es geht um das Wohlbefinden aller Österreicher, die schließlich auch brav in die Sozialversicherungen einzahlen. Es handelt sich um eine Kernaufgabe eines Sozial- und Wohlfahrtstaates.

Will man wirklich US-amerikanische Verhältnisse, wo die Ausgaben in den Gesundheitsbereich nahezu doppelt so hoch sind, wie bei uns, allerdings zum Großteil privat finanziert. Wollen wir soweit kommen, dass Menschen im Alter ihr Erspartes auflösen müssen, damit sie sich eine Operation oder langwierige Therapie leisten können.

Wollen wir wirklich, dass unsere Jugendlichen weiterhin zu den am ungesündest Lebenden in allen OECD-Staaten zählen und, dass wir in Punkto Prävention zu den Schlußlichtern zählen?

Oder wollen wir – sprich der Staat – endlich begreifen, dass Ausgaben für Gesundheit, Investitionen sind, die volkswirtschaftlichen Mehrwert bringen und die sich mittelfristig auch ökonomisch rechnen. Nirgendwo ist die Nachfrage nach geschultem Personal – Ärzten und Pflegekräften –, so groß und vor allem konstant und konjunkturunabhängig wie im Gesundheits- und Pflegebereich.

Wollen wir, dass Menschen so lange auf Operationen warten, bis sie nicht mehr operiert werden können, wie es beispielsweise in Großbritannien der Fall ist, wo Menschen vorher sterben?

Wollen wir eine Dreiklassengesellschaft und Armut im Alter und das als eines der reichsten Länder Europas ?

Wollen wir endlich zur Kenntnis nehmen, dass die Zahl der Patienten weiterhin steigen und, dass wir vor Herausforderungen stehen wie noch nie: 350.000 Demenzkranke bis zum Jahr 2050. Wie wollen wir darauf eine humane Antwort finden? Und, wie wollen wir damit umgehen?

Es ist – wie beim Klimaschutz – 5 vor 12. Niemand kann wollen, dass unser hervorragendes Sozial- und Gesundheitssystem erodiert.

Das darf auch kein Konfliktstoff unter Parteien sein. Es gibt keine linke oder rechte mittelständische Gesundheit.

 

 

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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