Die Wahrheit ist…wir brauchen Geld und Personal. Und Infrastruktur Die offenen Worte des „Beamten-Verteidigungsminister“ als Vorbild.

695 total views, 5 views today

Der Übergangsverteidigungsminister, ein ausgewiesener Experte, hat ernüchternd klar ausgedrückt, wie es um die österreichische Landesverteidigung stehe. Und um das Bundesheer – es ist ein Konkursfall. Derart offene und deutliche Worte würde man sich auch von einer Gesundheitsministerin oder einem Gesundheitsstadtrat wünschen. Das Gesundheitssystem funktioniert noch. Aber es droht zu crashen, wenn es nicht bald deutlich mehr Personal, mehr Geld für Vorsorge und Erstversorgung gibt.

Und, wenn keine nachhaltigen Maßnahmen für die Krankenhäuser passieren. In Wahrheit funktioniert alles nur noch, weil sich die Beteiligten über ihre Kapazitäten hinaus engagieren.

Hingegen wird abgestritten, werden Situationen verharmlos und auf eventuell noch kommende Reformen verwiesen. Im Übrigen heißt es, man müsse bei den Gesundheitskosten sparen.

Wo sagt niemand.

Die Realität zeigt: Deutlicher Ärztemangel im allgemeinmedizinischem Bereich, wachsende Lücken in der Erstversorgung im ländlichen und kleinstädtischen Raum, Krankenhäuser, die aus Personalmangel Abteilungen schließen oder zusammenlegen müssen, Massierung der Überstunden – und das bei einem KA-AZG, das die Situation noch verschärfen wird, wenn es in Kraft tritt. Überfüllte Ambulanzen, Wartezeiten, die immer länger werden.

Wer einen Rundgang durch die Wiener Krankenhäuser macht, kann sich – abgesehen vom Krankenhaus Nord, das neu ist – von der Baufälligkeit und Unwirtlichkeit mancher städtischer Krankenhäuser selbst überzeugen

Machen wir uns nichts vor. Wir können generell stolz auf das Gesundheitssystem und auch auf seine Struktur sein. Aber wir müssen dazu stehen – uneingeschränkt -, dass wir es und auch leisten wollen, dass Gesundheit an vorderster Stelle steht, dass sich Ausgaben deutlich erhöhen müssen, weil die Bevölkerung älter, die medizinischen Standards höher und die Erwartungen der Patienten anspruchsvoller sind und, weil neue Medikamente, die effizient helfen, teuer sind. Dahinter stecken schließlich Milliarden an Forschungs- und Entwicklungsarbeit, sowohl in der Pharmaindustrie, in der Biogenetik als auch in der Medizintechnik.

Noch vor Jahren wollte man – zumindest Teile der Politik – das Bundesheer abschaffen und durch ein Berufsheer ersetzen. Die Bevölkerung hat sich deutlich dagegen ausgesprochen.

Nunmehr werden Stimmen laut, die Schulärzte abzuschaffen, die Sozialversicherungsentgelte für die Wahlärzte zu kürzen oder gar zu kappen und die Pflege aus der Unfallversicherung zu bezahlen. Absurderweise wollte man vor nicht allzu langer Zeit auch die Unfallversicherung abschaffen. Nur wegen des massiven Widerstandes der Ärzte – und auch der Gewerkschaft – wurde das wieder zurückgezogen.

Was also tun?

Wer für die totale Privatisierung ist, soll es sagen. Und nicht scheinheilig von der Selbstverantwortung der Patienten sprechen.

Wer hingegen für eine hochwertige, barrierefreie und umfassende Gesundheitsversorgung ist, soll laut sagen: Ja, und das ist uns auch etwas wert. Auch ethische, soziale und von mir auch, aus volkwirtschaftlichen Gründen. Aber, wenn man das sagt muss man auch taten setzten.

Schluss mit Verschleiern, Schönreden und Ärzte bashen. Bekennen.

 

 

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

Kommentar verfassen