Nichts geht mehr – AKH-Onkologie am Rand der Kapazitäten! Wenig Personal, zu viele Patienten aus den Bundesländern – kann man sogar argumentieren ?

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Der Direktor des AKH Wien schlägt Alarm: Die Onkologie sei an Rand der Kapazitäten. Unter anderem auch deshalb, weil immer mehr Patienten aus angrenzenden Bundesländern kommen. Die Wartezeiten steigen dramatisch. Es gibt zu wenig Personal.

Das Ganze klingt auch ein wenig zynisch: Denn die Ärzte am AKH sind Bundesangestellte. Die Universitätsklinik ist für alle Patienten da, gleichgültig aus welchen Bundesländern sie kommen.

Was stimmt: Es fehlt hinten und vorne an Personal. Und es mangelt auch an den entsprechenden Einrichtungen.

Der Leiter des AKH hat im Grunde genommen recht. Auch sein Vorschlag, die Patienten und Behandlungskosten aus einem österreichweiten Fonds zu bezahlen, ist vernünftig. Was aber einen schalen Geschmack hinterlässt, ist die subkutane Schuldzuweisung an die Bundesländer und das Differenzieren zwischen Wiener und Nichtwiener Patienten.

Denn: Alle Patienten sind gleich. Noch dazu an einer Universitätsklinik, die aus den Steuergeldern aller Versicherten erhalten wird.

Alle Österreicherinnen und Österreicher verdienen die beste Behandlung mit den modernsten Medikamenten.

Im AKH ist der Personalmangel chronisch. Das in erster Linie für Pflegefachkräfte, die wiederum von der Stadt Wien bezahlt und gemanaged werden. Diese hybride Situation herrscht schon seit Jahren – und es ist immer noch nicht gelungen, eine stringente gemeinschaftliche und übergeordnete Verwaltung zu etablieren.

Zu bedenken gilt auch, dass die Uniklinik strukturell keine Notfallambulanz, sondern ein Spitzeninstitut ist: für komplexe Erkrankungen, Unfälle und Eingriffe. Anderseits braucht es genügend Frequenz, um genügende Fallzahlen aufzuweisen.

Es nutzt nichts: Staat und Wien müssen zum AKH stehen. Derzeit tun sie es.

In den kommenden Jahren wird das AKH auch mit Milliardenaufwand modernisiert.

Das AKH ist Mitteleuropas größtes Krankenhaus, mit teilweise exzellentem Ruf in manchen Fächern, bestqualifizierten Spezialisten. Und gleichzeitig ist es eines der größten angewandten Forschungszentren.

Dafür muss Geld und Personal ausreichend zur Verfügung gestellt werden.

Vielleicht wird die Politik – Stadt und Staat – jetzt endlich aufmerksam. Mehr Geld, um einer schnell wachsenden und älter sowie kränker werdenden Bevölkerung auch künftig Spitzenmedizin anbieten zu können.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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