Verfetten unsere Kinder? 30 Prozent der Schulkinder sind adipös oder stark übergewichtig. 60 Prozent Fettleibige im Jahre 2025.

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Fast zwei Drittel der österreichischen Schulkinder werden im Jahre 2025 adipös oder stark übergewichtig sein. Das sagt nicht irgendjemand, das sind Daten der Weltgesundheitsorganisation WHO. 2019 konnte ein Drittel der Schulkinder nicht schwimmen – die Zahl der täglichen Badeunfälle verdoppelt sich Jahr für Jahr. Das sind alarmierende Zahlen

Fridays For Future klagt zurecht an, dass die Erwachsenen ihren Kindern die Zukunft raubten. Viele Kids tragen durch ihr Essverhalten – teilweise von den Eltern geduldet oder indirekt gefördert- selbst dazu bei. Mehr als 60 Prozent der Schulkinder sind nicht mehr in der Lage einen Purzelbaum zu schlagen oder auf einem Bein zu stehen.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Diabetes, Fehlsichtigkeit und eingeschränktes Hörvermögen werden häufiger, berichten Ärzte aus Kinderambulanzen. Volksschüler mit 70 oder 80 Kilogramm Leibesgewicht sind keine Ausnahme mehr.

Nicht nur die körperlichen Voraussetzungen werden schlechter, auch die Konzentrationsfähigkeit – dynamisiert durch Social Media und Smartphone – nimmt bedenklich zu. ADHS ist die Modekrankheit bei Kids schlechthin und wird in vielen Fällen mit Mitteln wie Ritalin bekämpft, das zur Abhängigkeit führen kann. Und vielfach sind es die Eltern, die nach Beruhigung der Kinder rufen. Und den Einsatz von konzentrationsfördernden Medikamenten geradezu vehement verlangen.

Notwendig wären koordinierte Maßnahmen: genügend Schulärzte, die regelmäßig nicht nur Gesundheitschecks machen, sondern gemeinsam mit anderen Lehrern – Biologie und Sport beispielsweise – Ernährungs- und Gesundheitstipps geben oder Diätpläne ausarbeiten. In Wien kommt auf  mehr als 1.000 Schüler nur 1 Schularzt. Das ist zu wenig.

Und zweitens wäre – bereits ab der Volksschule – ein verbindlicher Gesundheits- und Ernährungsunterricht notwendig, verbunden mit massiver Aufklärung bei den Eltern, die zu oft auf Convenience Food aus dem Tiefkühlfach setzen oder es nicht schaffen einen gemeinsamen Esstermin mit allen zu koordinieren.

Wenn wir erfahren, dass immer weniger junge Menschen für den Wehrdienst tauglich sind – in Wien mehr als die Hälfte – dann ist es die Folge von Fehlernährung und Bewegungsmangel in der Kindheit und Jugend.

Auch der Arbeitsmarkt wird künftig darunter leiden. Mehr chronische Erkrankungen und damit verbunden mehr Arbeitsausfälle.

Vorausschauende Gesundheitspolitik muss bei den Kindern und  in der Schule anfangen. Und auch die Eltern in die Pflicht nehmen – zum Beispiel durch verschärfte Auflagen beim Mutter Kind Pass.

Das alles klingt zwar weder spektakulär noch sensationell, ist aber zu wichtig, um einfach übergangen zu werden. Man darf es sich nicht zu leicht machen, und die Schule der Nahrungsmittelindustrie und dem Handel allein zuzuschieben. Im Gegenteil: Dort herrscht sogar eine gewisse Kooperationsbereitschaft.

 

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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