Aktive Sterbehilfe! Ist das Mord?!? Ärztekammer ist nach wie vor gegen aktive Sterbehilfe durch Ärzte.

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Eine Frau hat – vermeintlich – dem Leiden ihres Mannes ein Ende gesetzt. Und die „Schläuche“ entfernt. Das Urteil: Mord. Ist das gerecht? Ohne zu moralisieren: Ebenso wie es kein Recht auf Todesstrafe geben sollte, darf es auch kein Recht zur vorzeitigen Tötung oder Unterlassung geben. Dazu verpflichtet uns der hippokratische Eid (Genfer Deklaration). Dennoch: die Diskussion über Sterbehilfe poppt ständig auf.

Statt über aktive oder passive Sterbehilfe zu moralisieren und polemisieren, sollte man informieren: In Österreich gibt es sowohl die Patientenverfügung als auch die Vorsorgeverfügung. Beiden kann man jederzeit – mittlerweile auch mit geringem administrativem Aufwand – tun. Damit verfügt man darüber, was mit einem passiert, wenn man nicht mehr im Vollbesitz der physischen und psychischen Kräfte ist oder beispielsweise an einer unheilbaren Krankheit leidet.

Übrigens: Diese Verfügung kann auch jederzeit widerrufen werden.

Noch etwa scheint überlegenswert: Mittlerweile ist – vor allem in den Niederlanden und in der Schweiz – ein regelrechter Markt der aktiven Sterbehilfe entstanden. Davon profitieren einige dieser Anbieter in hohem Ausmaß. Für manche Betroffenen mag diese Form der Sterbehilfe ein sinnhafter Weg sein – sie sind es auch nicht, die in der Kritik stehen. Grundsätzlich hat jedermann das Recht über sein Leben so zu verfügen wie er möchte.Aber Geschäfte mit dem Tod sind abzulehnen.

Ebenso hat jeder Arzt  die Pflicht, alles zu unternehmen, um das Leben eines Patienten zu retten. Er kann, soll und darf nicht Richter spielen – oder gar Erfüllungsgehilfe der Angehörigen so schwer deren Situation auch sein mag.

Gibt es die Verfügung des Patienten, so kann sich der Arzt daran halten. Und ist damit abgesichert. Aber er hat die Möglichkeit, diesen Willen des Patienten auch einem anderen Kollegen zu übertragen.

Noch etwas gilt es zu bedenken: Die Medizin macht enorme Fortschritte. Was vor Jahren noch als Todesurteil galt, gilt heute nicht mehr. Viele Krebserkrankungen lassen sich so behandeln, dass sie chronisch werden und das Wohlbefinden des Patienten nicht stark einschränken.

Deshalb sollte man nie „aus“ sagen. Und vor allem ein Grundrecht beachten: Niemand hat das Recht über das Leben eines anderen zu entscheiden. Exakt aus diesem Grund, haben zahlreiche Staaten auch die Todesstrafe abgeschafft. Im Geiste des Humanismus und der Menschenrechte.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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