Rettet die Rettung! Und die Retter! Mehr Selbstverantwortung der Patienten und mehr Rechte für die Sanitäter?

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Das Rote Kreuz und andere Rettungsinstitutionen schlagen Alarm: bis zu 40 Prozent der angeforderten Rettungsfahrten seien eigentlich nicht notwendig. Die meisten Fälle könnten medikamentös zu Hause – bei Schnupfen oder Erkältung – oder durch den Allgemeinmediziner behandelt werden.

Derzeit sind die Rettungsdienste – vor allem wenn kein Arzt mitfährt – verpflichtet, die Patienten ins nächstgelegene Krankhaus in die Ambulanz zu bringen. Dabei sind die Ambulanzen ohnedies schon überlastet.

Es gibt Alternativen, wie den Ärztefunkdienst oder die zu wenig genutzte Rufnummer 1450.

Offensichtlich ist es das Smartphone und dessen flächendeckende Verbreitung, das mit dazu beigetragen hat, dass die Notrufnummer 144 immer öfter betätigt wird – selbst bei leichten Fällen und Unwohlsein oder gar bei einem Kater nach durchgefeierter Nacht. Das ist nicht nur unverantwortlich, sondern gefährdet die Rettungsdienste in ihrer Existenz.

Sie tun sich jetzt schon schwer, genügend Freiwillige zu bekommen, zudem gibt es künftig auch weniger Zivildiener, weil es immer mehr untaugliche bei den Musterungen gibt. Viele Freiwillige können sich auch aus beruflichen Gründen, die langen Nachtdienste, nicht mehr leisten – im Gegensatz zu früher kommen sie nicht einmal auf zwei oder drei Stunden Schlaf während des Bereitschaftsdienstes, klagen Rot- Kreuz Funktionäre.

Was in Wien beispielsweise gut funktioniert, ist der Ärztefunkdienst in der Nacht, an den Wochenenden und an Feiertagen. Sobald ein Arzt mitfährt, kann er vor Ort entscheiden, was mit dem Patienten zu tun ist. In den meisten Fällen genügt häusliche Behandlung.

Die Nutzung der Gesundheitsrufnummer 1450 könnte – bei entsprechender Bewerbung – viele unnötige Rettungseinsätze überflüssig machen: wenn Menschen direkt am Telefon Tipps erhalten, was zu tun ist. Hier müsste die öffentliche Hand mehr Geld für die Bewerbung und den Ausbau die Services in die Hand nehmen-idealer Weise in Kooperation mit der gut etablierten Nummer des Ärztefunkdienstes. Vielleicht kann man auch mit Handyherstellern und -betreibern eine automatische Implementierung vereinbaren. Österreich ist zwar ein kleiner Markt – aber ein Versuch wäre es wert.

Das Rote Kreuz, stellvertretend für alle anderen Rettungsdienste, ist zu wertvoll, um leichtfertig damit umzugehen.

In jedem Fall. Es muss etwas geschehen. Sonst stehen wir bald ohne freiwillige Rettung da.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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