Aus mit dem Rauchen. Gut so! Ein Festtag für die Gesundheit – und ein Auftrag an die Gesundheitsversorgung.

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Es mag ein Zufall sein, dass der letzte „Raucher-Tag“ mit dem Reformationstag zusammenfällt. Mit jenem Tag, da ein gewisser Herr Martin Luther seine Thesen an die Kirchentür nagelte. Ende des Ablassunwesens. Zumindest ist es ein Signal für Demokratie und Parlamentarismus. Denn beschlossen wurde das Gesetz dank dem Spiel der freien Kräfte im Parlament. Mit großer Mehrheit.

Der erste Schritt ist getan – auch dank des überragenden Erfolgs des von der Ärztekammer mitinitiierten, Volksbegehrens gegen Rauchen in der Gastronomie. Und es ist gut, dass das Gesetz rigide ist und keine Ausnahmen kennt. Nahezu untypisch für Österreich.

Jetzt aber müssen die weiteren Schritte folgen. Der Anteil der Raucher bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist in Österreich noch immer überdurchschnittlich hoch. Vor allem bei weiblichen Personen.

Jetzt muss Aufklärung folgen: Informationskampagnen gegen das Rauchen und für ein gesünderes Leben: Gesunde Ernährung, Bewegung, weniger Fett und Zucker. Denn um den Gesamtzustand der österreichischen Bevölkerung steht es nicht exzellent, wenn man uns mit anderen OECD-Ländern vergleicht.

Krebs, Herz- und Kreislauferkrankungen sind die häufigsten Todesursachen. Die meistverbreiteten Ursachen: Rauchen, Übergewicht, zu wenig Bewegung. Hier muss der Hebel angesetzt werden.

Das bedeutet, dass unsere Gesundheitsversorgung neu ausgerichtet werden müsste. Mehr Prävention, intensiveres Gesundheitscoaching und Gesundheits- und Ernährungsunterricht bereits in der Schule. Jede Million Euro, die in Prävention investiert wird, rechnet sich mittelfristig mehrfach. Und trägt zur Entlastung des interventionistischen Krankenversorgungssystems bei. Die Botschaft ist klar: Wir gehen vom grundsätzlich gesunden Menschen aus und versuchen dessen Gesundheit so lange und so gut wie möglich zu erhalten.

Das erfordert Umdenken und eine neue Umverteilung: Mehr Geld für Prävention – und auch ein fixes, zweckgewidmetes Budget – und mehr Geld für Rehabilitation und postoperative Behandlungen und Regeneration. Und mehr Geld für begleitendes Gesundheitsmanagement in den Betrieben unter Einsatz moderner Kommunikationstechnologien. Schon heute lassen sich hunderttausende Österreicher freiwillig vermessen, über 1,5 Millionen Menschen haben Gesundheits- und Wellnessapps auf dem Smartphone installiert und nutzen sie auch. Die Aufgabe der Ärzte ist die Menschen zum Thema e-health  zu beraten, vor unseriösen Apps zu warnen und gleichzeitig die digitale Kommunikation mit dem Patienten zu erleichtern.

Auch das ist die öffentliche Hand gefragt: materielle und technische Unterstützung der niedergelassenen Ärzte und gemeinsame öffentliche Kommunikation.

Aber der 31.10 soll ein Tag der Freude sein und ein Signal in Richtung mehr Gesundheit. Es ist auch ein Tag der Zivilcourage, denn ohne die fast 900.000 Unterstützer wäre das Gesetz wohl kaum so schnell und so radikal beschlossen worden.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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