Jetzt. Impfen. Vorurteile ablegen. Dafür versorgen.

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Neue Studien zeigen, dass das menschliche Immunsystem durch Masernerkrankungen empfindlich gestört wird. Ein weiteres Argument für die Masernimpfung. Und für eine höhere Durchimpfungsrate. Österreich zählt zu den impfunwilligsten Ländern innerhalb der OECD. Aufklärung alleine hat bislang zu wenig erreicht. Wahrscheinlich ist sanfter Zwang und Druck angesagt.

Die Ärztekammer hat sich schon vor mehr als einem halben Jahr für ein Impfpflicht ausgesprochen. Oder zumindest für die Koppelung der Impfpflicht an bestimmte Leistungen: zum Beispiel für den Mutter-Kind Pass, den man auch verlängern könnte. Oder für die Aufnahme in den öffentlichen Dienst, für die Zulassung zum Studium oder den Besuch einer höheren Schule, wie es in den USA und anderen Ländern üblich ist.

Die Antiimpflobby ist erstaunlich resistent und versteht es gut zu alarmieren. Dabei haben die großen Plattformen wie facebook und Google sowie YouTube bereits Löschalgorithmen für Antiimpf-Verschwörungen eingesetzt.

Immer wieder tauchen krude Studien oder angebliche Erfahrungsberichte auf, wonach Impfen schädlich sei. Und mit Nachdruck werden solche Gerüchte und Fakes über alle Channels verteilt.

Die österreichische Politik war – im Unterschied zu anderen Ländern- bislang nicht bereit, sich für eine Impfpflicht stark zu machen. Das Argument: Man wollte nicht in die persönliche Entscheidungsfreiheit des Menschen eingreifen.

Dem gegenüber steht: individuelle Freiheit hat dort Grenzen, wo andere Menschen zu schaden kommen. Wie beim Rauchen in der Gastronomie.

Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass etwa Lehrer, Bedienstete  von Verkehrsunternehmen, Menschen in pflegerischen und medizinischen Berufen oder  andere Dienstleister, die viel mit Menschen in Kontakt sind – auch physisch – gegen Masern und andere gefährliche Krankheiten geimpft sind. Ist es aber nicht.

Es wäre an der Zeit, eine breite Initiative pro Impfen zu starten. Gerade jetzt, wo die ersten Grippewellen im Anrücken sind und die Gefahr von Infektionen steigt. Denn auch beim Grippeimpfen sind die Österreicher vornehm gesagt zurückhaltend. Obwohl es nur geringen Aufwand bedeutet und in nahezu jeder Gemeinde zu Grippeimpfungen aufgerufen wird.

Die derzeit sondierenden Parteien haben beide der Kinderarmut den Kampf angesagt. Dass Armut und schlechte Gesundheit zusammenhängen, ähnlich wie Armut und Bildungsferne, ist durch zahlreiche Untersuchungen bewiesen. Wer Armut bekämpfen will, muss in gesundheitspräventive Maßnahmen investieren. Unter anderem auch in eine höhere Durchimpfungsquote.

Österreich hat seit wenigen Tagen ein neues Rauchergesetz in der Gastronomie. Warum sollte es nicht auch ein Gesetz zur Impfpflicht geben? Es wäre keine Entmündigung der Menschen, sondern sinnhafte Maßnahme zur Krankheits-Prävention. Oder wollen wir, dass Krankheiten die längst ausgemerzt schienen- Masern, Kinderlähmung, Tuberkulose – wieder epidemisch zurückkehren. Im 21. Jahrhundert?

Also: starten wir eine Initiative. Für ein Impfgebot.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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