Kein Personal, kein Vertrauen in die Krankenhäuser! Österreichischer Vertrauensindex weist erschütternde Daten aus.

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Seit 2014  wird der Krankenhausvertrauensindex jährlich erhoben. Und erstmals ist er deutlich gesunken. Nur 54 Prozent der in der öffentlichen Gesundheitsversorgung tätigen – Ärzte und Pflegefachkräfte – würden sich im eigenen Spital bedingungslos behandeln lassen. Ein Jahr zuvor waren es noch 60 Prozent gewesen. Lediglich bei den privaten und Ordensspitälern sind die Indizes etwas besser, Grund dafür sind nicht mangelnde Kompetenz, sondern der Mangel an Personal.

Damit wird schwarz auf weiß bestätigt, wovor die Ärzte seit Jahren eindringlich warnen. Wir haben zu wenig Humanressourcen. Zu wenig Ärzte und zu wenig Krankenhauspersonal. Und die Situation wird sich weiter verschärfen: steigende Patientenzahlen, Pensionierungswelle bei den Ärzten im muralen und niedergelassenen Bereich, zu wenig Nachwuchs.

Apropos Nachwuchs. Die in Ausbildung stehenden Ärzte stellen  ihren Ausbildern auch kein Exzellenzzeugnis: ein knappes Gut in der Zufriedenheitsskala in Bezug auf die Qualität der Ausbildung ist ein bescheidener Wert. Er ist seit Jahren nicht besser geworden – im Gegenteil. Es ist eher eine 2 minus.

Beide Faktoren hängen eng miteinander zusammen. Wenn es zu wenig Personal gibt, bleibt auch zu wenig Zeit für die Ausbildung. So beklagen sich Turnusärzte, dass sie jenseits ihrer Qualifikationen eingesetzt werden: Blutabnahmen, Protokolle schreiben, Spritzen verabreichen. Selten nur werden die Ausbildungsprogramme auch vollständig durchgezogen. Anderseits werden Jungärzte bei Nachtdiensten oft allein gelassen.

Ebenso suboptimal sieht es in der Infrastruktur der Krankenhäuser aus. Gewiss, wir haben mit dem Krankenhaus Nord ein Herzeige-Spital – wenn es endlich den Vollbetrieb aufnimmt. Wir sollten aber den Blick auf jene Krankenhäuser fokussieren, in die seit Jahren nichts mehr investiert wurde: Rudolfstiftung, Wilhelminenspital und letztendlich auch das AKH, das vor einem milliardenschweren Umbau steht.

Medizin basiert auf Vertrauen zwischen Arzt und Patient und auf Vertrauen in die Institution Krankenhaus. Wenn das Vertrauen gering ist, steigen Verunsicherung, Angst, verzögern sich Genesungs-Verläufe und es entwickelt sich ein Klima des Misstrauens. Wenn zu wenig Personal vorhanden ist, steigen Stress und Belastung, bleibt wenig Zeit für die Patienten.

Die Burn-Out-Rate unter Ärzte ist bereits seit Jahren besorgniserregend hoch. Dabei sollten gerade in der Medizin der Grundsatz herrschen: gut ausgeruhte Ärzte, die konzentriert arbeiten können und sich nicht administrativem Kram widmen müssen – denn das könnte auch nicht-medizinisches Personal erledigen.

Was fehlt, ist der notwendige Respekt der Politik und des Managements vor den Leistungen der Mitarbeiter. Was fehlt ist eine verlässliche Organisation mit verlässlichen Dienstplänen und was fehlt sind genügend Planposten und Ressourcen für Notfälle. Und die gibt es mittlerweile nahezu täglich.

Die genannten Studien müssten die Verantwortlichen eigentlich aufwachen lassen. Tun sie es nicht, wird es von Seiten der Ärzte zu noch lauteren Zurufen kommen.

 

 

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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