Mit Laissez-Faire geht es nicht weiter! Einschnitte und Eingriffe in die Gesundheitsversorgung sind geboten, vor allem Investitionen.

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Wenn man die jüngst publizierten Zahlen liest, ist man nicht verwundert: bis zu 5 Milliarden Euro müssen in den kommenden Jahren für die Sanierung und Modernisierung der Wiener Krankenhäuser investiert werden, um sie halbwegs auf den State of the Art zu bringen. Das ist das eine. Zumindest 12.000 Pflegekräfte und mehr als 1.000 Ärzte müssen in den kommenden Jahren gewonnen werden, um die öffentliche Gesundheitsversorgung zu gewährleisten und den freien Zugang zur Spitzenmedizin für alle zu sichern. Das geringste Problem sollte das Geld sein. Die Herausforderung heißt viel mehr: woher die Ärzte holen? Aus dem Boden stampfen kann man sie nicht.

Seit Jahren schon herrscht ein scharfer Wettbewerb zwischen Städten, Krankenanstalten und deren Betreibern um qualifizierte, junge Ärzte. Nicht nur ausländische Gesundheitsversorger werben um heimische Ärzte, auch innerhalb Österreichs hat sich der Wettbewerb verschärft.

Gewinner sind diejenigen, die neben einer adäquaten Bezahlung ein positives Arbeitsklima und halbwegs geregelte Dienstzeiten bieten können und zudem auf Bedürfnisse von Familien und erziehenden Frauen  eingehen. Der jungen Generation von Ärzten geht es – berechtigterweise – auch um Selbstverwirklichung und um die eigenen Lebenskonzepte, jenseits der beruflichen Karriere. Zudem sind weibliche, junge Ärzte in der Mehrzahl – viele von ihnen möchten Kinder auf die Welt bringen und diese auch aktiv verantwortungsbewusst erziehen.

Generell hätte Wien im sogenannten Wettbewerb die besten Chancen. Urbanität, hohe Freizeit- und Kulturqualität, Angebot an Kindergärten und Horten, rasche Erreichbarkeit und ein gutes, soziales Klima in der Stadt.

Offensichtlich ist das zu wenig. Denn viele Ärzte beklagen sich über Chaos, mangelnde Ausbildungsmöglichkeiten und vor allem über mangelnde Anerkennung und Wertschätzung. Sie leiden an der permanenten Überforderung wegen der Personalknappheit, es gibt zu wenig Motivation und Autonomie. Diese weichen, klimatischen Umstände sind es, die Wien im Wettbewerb unattraktiv erscheinen lassen. Deshalb wandern signifikant viele Ärzte ins Ausland ab und viele verlassen die KAV-Krankenhäuser, weil die Arbeitsbedingungen schlecht sind. Und sie sich woanders besser willkommen fühlen.

Hier muss der Hebel angesetzt werden. Wenn man Ärzte als ignorant und arrogant abtut, wenn Missstände negiert werden,  muss man sich nicht wundern, dass man schwer Mitarbeiter findet.

 

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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