Unfassbare Zustände! Die Erosion eines guten Systems.

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Mitarbeiter am KH Nord haben monatelang ihre Überstunden und Zuschläge nicht erhalten-angbelich wegen eines menschlichen Versagens. Es sind nicht nur die Bauverzögerungen und Verteuerungen bei Prestigeprojekten, es sind nicht nur die Untätigkeiten bei der dringlich notwendigen Sanierung in Hietzing oder am Wilhelminenspital, um nur zwei „Baufälligkeiten“ zu nennen, es  ist  das Versagen des Gehalts-und  Rechnungswesens. Personal, das von anderen Krankenhäusern in das KH Nord gegangen sind, erhielt monatelang keine Gebühren-Zahlungen für Überstunden und Zulagen.

 

Am KH Nord wandern Pflegekräfte en masse ab, weil die Arbeitsumstände unerträglich sind und die Rahmenbedingungen nicht passen, mehrere OP-Säle müssen dicht gemacht werden, eine Neurologie gibt es nicht. Die Kinderpsychiatrie und andere Abteilungen sind chronisch unterbesetzt.

Dabei rollt jetzt die erste Grippewelle heran -und es fehlt an dementsprechenden Ressourcen, vor allem aber  an posttherapeutischer Pflege. Der Stadtrat mag von marginalen Problemen sprechen, die Betroffenen, die Patienten die Pflegekräfte , die Ärzte sehen das anders. Niemand empfindet Aufmunterung oder Dank für den enormen Einsatz.

Nicht an allem trägt der Gesundheitsstadtrat die Schuld, er musste zahlreichere Baustellen seiner Vorgängerinnen, Wehsely und Brauner übernehmen, aber er hätte einerseits innerhalb der Regierung auf den Tisch hauen könne und mehr Geld verlangen sollen, und er hätte sich von Menschen beraten lassen können, die das System kennen und gemeinsam Lösungsvorschläge ausarbeiten könnten : die Ärzteschaft. Sie wäre mit ausgetrecktem Arm auf ihn zugegangenen, wenn er es wollen hätte.

Stattdessen wurde Ärztebashing betrieben, wurden absurde Vorschläge gemacht, man könne ja Ärzte ohne Kassenveträge (Wahlärzte) zwingen einen Vertrag zu übernehmen und freiwillige Dienste wie Rotes Kreuz, Malteser, Johanniter und Co sollten sich noch mehr aufopfern. Dabei ringen diese Vereine ohnehin mit schmalen Ressourcen und Arbeitsüberlastungen.

Wie konnte es geschehen, dass sich ein einst vorbildliches Gesundheitssystem in nur wenigen Jahren oder Jahrzehnten in eine derartige Krise manövrierte oder manövrieren ließ.

Es liegt ja nicht nur daran, dass viele Krankenhäuser nicht voll einsatzfähig sind, das AKH vor massivsten Umbau seiner Geschichte steht, der Spuren hinterlassen wird, es liegt auch daran dass man es mit der Verschmelzung des Niedergelassenen Bereichs mit dem muralen Bereich nie ernst genommen hat, Man hat zugelassen dass die praktische Erstversorgung durch Allgemeinmediziner immer mehr aufgeweicht wurde – nicht Nachbesetzungen von offenen Kassenstellen, Reduktion der Kassenstellen bei wachsender älter werdender Bevölkerung, geringe Honorare, kaum Unterstützung bei Praxis-Investitionen – und man hat es zugelassen das es viel zu viele Mängelfächer, noch dazu in brisanten Fächern  gibt. Man hat die Standards der Ärzteausbildung von vornherein nicht eingehalten und zugelassen dass Betreungskräfte frühzeitig gegangen sind, weil sie den Job nicht mehr schaffen : Stress bis zu burn out.

 

Und jetzt: Satt konkreten Lösungen und Kooperationsangeboten gibt es Schuldzuweisungen und Verdächtigungen.

So kann man nicht weiterarbeiten.

Der Druck word größer, der Aufschrei folgt bei Fuß.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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