Jugendliche sind Bewegungsmuffel! WHO- Studie warnt vor Adipositas und anderen Krankheiten.

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Nicht nur im Gesundheitssystem geht wenig weiter, mit dem Gehen  an sich  haben die österreichischen Jugendlichen (und auch die Erwachsenen) offensichtlich Probleme: 71,2 Prozent der Buben und 84,5 Prozent der Mädchen sind körperlich nicht aktiv genug. Dafür ist ein Drittel schwer übergewichtig beziehungsweise adipös. Mit steigender Tendenz.

Bewegungsarmut steigt bei Jugendlichen weltweit beängstigend an. Nur ein Fünftel aller Jugendlichen weltweit entspricht den Mindestanforderungen der WHO an Bewegungsintensität. Besonders stark betroffen sind mittlerweile Länder wie Mexiko, China, Brasilien, Italien, Spanien und natürlich die USA.

Die Digitalisierung der Welt – das Smartphone als Symbol dafür – hat dafür gesorgt, dass man sich lediglich virtuell, gewissermaßen vor dem Bildschirm, bewegt. Die körperliche Fitness leidet darunter, ebenso wie die Koordinationsfähigkeit. Einfache Kulturtechniken wie zusammenhängend schrieben oder selbst das Knoten von Schuhbändern oder das Hüpfen auf einem Bein gehen verloren.

Die Folge: Rasant zunehmende Fehlsichtigkeit, Diabetes bereits in jungen Jahren, chronische Schäden an Rumpf- und Bewegungsapparaten, Herz-Kreislaufprobleme.

Laut WHO sollten sich Kinder pro Woche zumindest 60 Minuten intensiv bewegen. Das geht leicht, wenn man endlich die täglichen Turnstunden an österreichischen Schulen einführen , am Nachmittag in den Ganztagsschulen verpflichtende Bewegungs- und Spieleinheiten anordnen würde und gleichzeitig dafür sorgen würde, dass es bundesweite Qualitäts-Normen für Schulbuffets geben würde: keine Snacks, keine Getränke mit extrem hohen Zuckeranteil und dafür viel Obst und Gemüse.

Stattdessen wird beim Thema Gesundheit an Schulen gespart oder nicht investiert: Unbenutzbare Sportplätze, lockere Handhabung mit Abmeldungen vom Turnunterricht, Schließung der Schulhöfe und Turnplätze an Wochenenden und während den Ferien, kein Gesundheits- und Ernährungsunterricht, Schulküchen, die auffallend oft leer stehen. Es wird zu wenig mit den Sportvereinen kooperiert, die Schulschikurse  vielfach eingestellt.

Auch die ärztliche Versorgung ist schlecht. In Wien komme 1 Schularzt auf mehr als 1.000 Schüler. Das ist österreichweiter Minusrekord. Und manche Gemeindevertreter plädieren überhaupt für die Abschaffung des Schularztes und meinen, man solle den Gesundheitscheck an niedergelassene Ärzte übertragen. Offensichtlich denkt niemand daran, dass gerade bei den Allgemeinmedizinern und vor allem bei Kinderärzten jetzt schon eklatante Versorgungslücken herrschen.

Gerade bei Kindern und Jugendlichen sind regelmäßige medizinische Checks notwendig – zur Früherkennung etwa von Augenfehlern oder anderen zumeist zivilisationsbedingten Krankheiten.

Fakt ist: Wenn so „nichts weiter“ geht, werden die Gesundheitskosten in einem Jahrzehnt explodieren. Wenn die Kinder von heute erwerbstätig werden.

 

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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