Investieren ist das beste Sparen. Jeder Euro für die Gesundheit rechnet sich mehrfach.

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Einsparen und kürzen um jeden Preis ist mittelfristig das teuerste und gesundheitspolitisch unsinnigste, das man tun kann. Wenn man weiss, dass ein Drittel die Kinder schwer übergewichtig bis adipös ist, kann man berechnen, was deren Therapie in Zukunft kosten wird und welche Ausfälle am Arbeitsmarkt verkraftet werden müssen. Das Grundprinzip jeder guten Gesundheitspolitik und Versorgung muss heißen, Menschen so gut und lange wie möglich bei guter Gesundheit zu halten. Und rechtzeitig Gefahren oder Anzeichen von Krankheiten zu erkennen. Doch unser Selbstverständnis ist das Gegenteil: Intervenieren und teuer reparieren. Das führt zu nichts.

Natürlich ist es notwendig in Akutfällen ein ausreichend redundante System zu haben. Und bei Verletzung oder Unfällen und plötzlichem Herz -Kreislaufversagen zu intervenieren. Das funktioniert bei uns im Großen und Ganzen auch sehr gut, auch wenn auch hier Rationalisierungs- Maßnahmen drohen. Österreichs Unfallspitäler genießen einen hervorragenden Ruf. Und es war gut, dass man sie nicht abgeschafft hat, wie manche sogenannten Gesundheitsreformatoren es wollen.

 

Abgesehen davon, das wir alle in Wien in den kommenden Jahren 4 bis 5 Milliarden in die Hand nehmen müssen, um die Spitalsinfrastruktur wieder auf einen zeitgemäßen Standard zu bringen, wird es notwendig sein, rasch mehr Geld für mehr Personal zur Verfügung zu stellen- warum löst man die angeblichen Rücklagen nicht eigentlich auf ?- und vor allem in die Prävention zu investieren : bessere ärztliche Betreuung der Schulen und Kindergärten, regelmäßige und aussagekräftige Gesundenuntersuchungen, die tägliche Turn- und Bewegungsstunde, von Ärzten begleitetes Schulfach Gesundheit und Ernährungskunde. Ausbau des betriebsärztlichen Systems, vor allem was ergonomische Arbeitsverhältnisse, Rehabilitation nach Krankheiten und psychische Betreuung von burn -out gefährdeten oder alkoholabhängigen Mitarbeitern und Partnern betrifft.

Zur Prävention zählen auch die Impfpflicht und der Ausbau der Erstversorgung: Der Arzt als Begleiter und Berater des gesunden Menschen, der idealtypisch auch mehr Zeit für Zuwendung, Gespräche, Beratung hat.

Die herrschende Gesundheitspolitik tut aber zumeist das Gegenteil : Scheinbare Rationalisierung des Betriebs durch Nichtnachbesetzen von frei werdenden Posten, Verlagerung von Behandlungen in den privaten Bereich, Einschränken satt fördern der lebenslangen Berufsweiterbildung, falscher Personaleinsatz- zum Beispiel bei Ärzten in Ausbildung, die in zu hohem Ausmaß für Hilfsdienste und Administrationskram herangezogen werden.

Vor allem aber tut man zu wenig, um das Arbeitsklima zu verbessern. Um zu verhindern, dass immer mehr Ärzte ins Ausland oder in andere Bundesländer beziehungsweise in private Krankenhäuser gehen. Was dem öffentlichen System droht, ist ein gewaltiger Brain Drain und Loss. Das gilt für die angewandte Medizin ebenso wie für die Forschung.

Deshalb: Mehr und großzügig investieren. Dann werden die Gesundheitskosten in zehn oder 20 Jahren nicht explodieren, sondern relativ einfach zu finanzieren sein.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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