Solidarität in kalten Zeiten ! Immer mehr Patienten ohne E-Card. Der Sozialstaat ist aufgefordert!Hilfe!

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AmberMed, Caritas, Diakonie, Gruft, Neunerhaus,Louise Bus – wie sie alle auch heißen mögen – sind die wahren Helden, des immer grauer werdenden Alltags. In einer der reichsten Gesellschaften der Welt, wächst die Kluft zwischen Arm und Wohlhabenden. Die Zahl der Obdachlosen steigt, ebenso die Zahl derjenigen, die gar nicht sozialversichert sind.

Sie haben ein Recht auf würdige Behandlung und adäquate medizinische Versorgung. Derzeit geht das nur dank freiwilliger Hilfe zahlreicher Vereine oder solidarischer Menschen. Allein in Wien sind es deutlich über 100 Ärzte, die regelmäßig jenen Menschen helfen, die – aus welchen Gründen auch immer – sich keine medizinische Versorgung leisten können, auf der Straße schlafen, keine Perspektiven kennen.

Die Ärztekammer unterstützt regelmäßig Institutionen, wie das Neunerhaus, im kommenden Jahr geht der gesamte Ballerlös an AmberMed, mit dem Erlös würde eine ambulante Versorgung geschaffen, die mehr als 3.000 Menschen pro Jahr versorgt. Dazu kommt der Louise Bus für die ambulante Versorgung, der ebenfalls an die 3000 Patient pro jahr behandelt.

Aus Deutschland liegen Zahlen vor: knapp 340.000 Wohnungslose, knapp 40.000 Obdachlose, wobei die Dunkelziffer noch einmal so viel ausmachen sollte. Diese Menschen sind signifikant öfter krank und werden oft gar nicht oder zu spät behandelt.

Die staatliche Förderungen steigen nicht, im Gegenteil: sie werden rückgefahren. So bekommt AmberMed statt 30.000 Euro pro Jahr, wie früher nur mehr bescheidene 10.000 Euro.

Das ist schlichtweg beschämend. Einsparungen im Sozialbereich dürfen nicht zur Regel werden und schon gar nicht zu Lasten derjenigen gehen, die ohnehin nichts haben.

Benötigt werden mehr Förderungen, mehr Krankenstunden für Wohnungslose und mehr ambulante Services. Vor allem diskrete Services, den viele Obdachlose lassen sich aus Scham nicht behandeln, wie eine Studie der Medizin Uni Kiel herausgab.

Das angeblich so unsoziale Großbritannien hat achtmal so hohe Förderungen wie Deutschland und mehr als 10mal so hohe wie Österreich.

Sich auf Spenden seitens der Bevölkerung und freiwillige Helfer zu verlassen, ist in jedem Fall zu wenig. Der Staat kann ohnehin froh und glücklich sein, dass sich  so viele Menschen neben ihrem – oft belastenden – Beruf freiwillig in den Dienst der guten Sache stellen.

Österreich schreibt heuer ein Nulldefizit, sagte der Finanzminister stolz, wir haben Rekordeinnahmen an Lohn- und Einkommenssteuern, Wien will in den kommenden Jahren keine neuen Schulden mehr aufnehmen. Das mag alles gut für die Betriebsökonomen sein, aus der Sicht des Sozialstaates ist es kein gutes Zeichen.

Es gibt Menschenrechte und es gibt so etwas wie Menschlichkeit, Humanismus und Solidarität mit den Schwächeren.

Dann ist es legitim, eine Erhöhung der staatlichen Förderungen für caritative Vereine zu fördern. Und ebenso legitim scheint, dass die Sozialversicherungen dafür einen größeren Topf reservieren. Das sollte wohl leistbar sein.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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