Arbeit ohne Dank und Wertschätzung ! Stundenanforderungen steigen, Stress nimmt zu. Fröhliche Adventszeit.

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Jeder vierte Absolvent der medizinischen Universität bleibt nicht in Österreich, sondern geht ins Ausland. Das hat Gründe. Im KAV beklagt man die schwierigen Arbeitsumstände: der Abgang von Ärzten und Pflegekräften in andere, zum Teil private Krankenhäuser, ist erklecklich hoch. Im neuen Krankenhaus Nord können bestimmte Leistungen nicht erbracht werden, obwohl die technische Infrastruktur vorhanden wäre. Einmal fehlt es an Fachärzten, ein anderes Mal an Pflegekräften und Assistenten.

Unter den österreichischen Krankenhäusern ist ein Wettbewerb um Personal entstanden. Ein Blick auf die Stellenausschreibungen und Stellenbewerbungen, die beispielsweise von der österreichischen Ärztekammer veröffentlicht werden, spricht Bände.

Viele Krankenhäuser im ländlichen Raum bekommen keine Turnusärzte mehr. Zunächst, weil sie vielfach den gesamten Turnus nicht abbilden können. Vor allem aber, weil das Arbeitsumfeld nicht passt. Vor zehn Jahren haben junge Ärzte es in Kauf genommen, den Turnus weitab vom Wohnort in der Provinz zu absolvieren -heute tut sich das fast niemand mehr an.

Es ist auch ein Irrtum zu glauben, dass Medizinabsolventen im jeweiligen Bundesland – beispielsweise Tirol oder Steiermark bleiben – nur weil sie an der hiesigen Universität studiert haben.

Selbst Versuche – von Privatuniversitäten – die Studienberechtigung an die Zusage zumindest 5 Jahre im Bundesland zu bleiben zu koppeln, zeigten wenig Erfolg. Ebenso wenig die Prämien, die  in einigen ehemaligen Ostdeutschen Ländern ausgeschüttet werden.

Es ist strukturell etwas falsch in der Versorgung und das liegt – neben organisatorischen Mängeln und schlichtweg falschen Aufgabenzuteilungen – am mangelnden Personal. Wenn ständig im roten Bereich gefahren wird, wenn es keine geregelten Dienstzeiten und zumindest zwei durchgängig freie Wochenenden gibt, finden sich immer weniger Jungärzte bereit, das auf sich zu nehmen. Und suchen sich jene Kliniken und Krankenhäuser aus, die das garantieren. Und das sind in den wenigsten Fällen öffentliche Krankenhäuser.

Gesundheitsversorgung kann man weder rationieren noch rationalisieren. Krankheiten, Epidemien und Verletzungen sind nicht planbar. Und ebenso nicht die Heilungsverläufe. Fest steht allerdings, dass Menschen rascher gesund werden, wenn sie mehr menschliche Zuwendung genießen, wenn sie mit kompetenten Menschen über ihre Krankheit reden können und Zusammenhänge verstehen. Und, wenn sie nach einer Operation, professionell betreut werden und nicht einfach nach Hause entlassen werden.

Man kann argumentieren wie man will – kann noch so sehr auf interaktive Technologien, Telemedizin oder künstliche Intelligenz verweisen: Gesundwerden und gesund blieben bedarf der Zuwendung, Wie heißt es so schön: der Patient steht im Mittelpunkt. Damit das geschehen kann, braucht man genügend Menschen in der Gesundheitsversorgung. Und diese Menschen sollen auch genügend Freiraum für Rekreation, Verwirklichung der eigenen Lebenspläne. Sonst werden sie selbst zu überforderten Maschinen, bis sie ein Burn Out bekommen.

Das wollen wir alle nicht. Vor allem kann es eine verantwortungsvolle Politik nicht wollen.

 

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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