Ein Erfolg vor Jahresende ! 22 Millionen Euro für niedergelassene Ärzte, 25o zusätzliche Ärztestellen im KAV. Ärztemangel ist dennoch krass.

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Offensichtlich haben sich die jahrelangen Bemühungen, Kämpfe, Auseinandersetzungen und Argumentationen der Ärztekammer und der gesamten Ärzteschaft ausbezahlt. Die Stadt Wien will im KAV zusätzlich 250 Dienstposten für Ärztinnen und Ärzte schaffen. Das ist eine gute Nachricht und Beweis dafür, dass man nicht aufgeben darf.

Diese positive Botschaft ist mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein- dies bedeutet, dass der KAV bereit ist jährlich ca. 25 Mio. Euro mehr für ärztliches Personal auszugeben, bedeutet aber nicht, dass damit die Gesundheitsversorgung auf hohem Niveau gesichert ist. Es müssen ausreichend Ärzte gefunden werden, insbesondere an Spezialisten in vielen Fächern fehlen die Bewerber, hier muss man auch verstärkt ausbilden, um die in den kommenden Jahren pensionsreifen Babyboomer ersetzen zu können.

Es gibt natürlich noch andere Baustellen: bei den Investitionen in den Krankenhäusern, in der Ablauforganisation innerhalb des KAV, in der adäquaten Zuteilung der Arbeit – nicht unterhalb der Qualifikationen – und in der praktischen Ausbildung der Jungärzte.

Auch die 250 zusätzlichen Stellen decken nur die gröbsten Lücken ab – von adäquaten Ressourcen kann längst nicht die Rede sein. Denn es fehlen ja nicht nur Ärzte, sondern auch fachlich gut ausgebildete Pflegekräfte, Schreibkräfte etc. Auch beim Personal jenseits der Ärzte wird der KAV mehr Personal einstellen müssen, damit unser Gesundheitssystem so funktioniert, wie es sollte.

Auch der niedergelassene Bereich hat eine zusätzliche Finanzspritze erhalten: 22 Millionen für Zielsteuerungsprojekte für 2020, vor allem für Hausärzte und Mangelfächer, für die Etablierung von Gruppenpraxen und Ordinationsneugründungen und für die bessere Honorierung von Hausärzten und Kinderärzten. Das ist gut – löst aber auch nicht das Problem, dass demnächst sehr viele der niedergelassenen Ärzte in Pension geht und dutzende Kassenstellen nachbesetzt werden müssen, oder neu geschaffen werden müssen. Das gilt auch für Mangelfächer: Kinderärzte und -psychiater oder Allgemeinmediziner.

Wir sind guter Hoffnung, dass wir im nächsten Jahr mit vereinten Kräften und auf Augenhöhe mit dem Gesundheitsressort weitere Verbesserungen schaffen.

Wir sagen aber ganz deutlich: Die Stadt wird noch mehr Geld in die Hand nehmen müssen, um das Dringlichste abzudecken. Sanierung der teilweise maroden Krankenhäuser, Umbau des AKH, Pflegeoffensive neben der Rekrutierung von ÄrztInnen.

Und mittelfristig müssen wir alles daransetzten, dass junge Menschen die hier studieren auch bleiben und hier arbeiten. Damit sie bleiben, muss noch viel getan werden: ein besseres Arbeitsumfeld, mehr Wertschätzung, geordnete Arbeitszeiten und natürlich auch bessere Gehälter und Honorare.

Vor allem aber: mehr Wertschätzung und ein Umdenken der Politik: Ausgaben für Gesundheit sind kein Kostenfaktor, sondern eine volkswirtschaftliche, sinnvolle und auch Mehrwert schaffende, Investition.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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