Ein gutes Jahr für die Gesundheit? Akzente der neuen Bundesregierung erwartet. Vor allem: Mehr Geld und Wertschätzung.

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Österreich hat demnächst eine neue Regierung- europaweit eine einzigartige Koalition aus Grünen und türkisen Konservativen. Es bleibt zu hoffen, dass diese Koalition auch Gesundheit neu andenkt. Nicht als Kostenfaktor und Einsparungsthema, sondern als aktive Investition in ein gesünderes, besseres Österreich. Und dass endlich ein nachhaltiger Schwerpunkt bei Prävention , Ausbildung und Nachwuchsrekrutierung gesetzt wird. Wir brauchen ein integriertes Gesundheitssystem und nicht ein interventionistisches Krankenversorgungssystem.

Jede Investition in Gesundheit, Gesundheitserhaltung und Pflege rechnet sich volkswirtschaftlich zumindest zweifach. Während man bei Tunnel- und Autobahnbauten nicht weiss, welche negativen Auswirkungen sie auf Klima und Umwelt haben, und ob sie in 20 oder 30 Jahren noch sinnhaft sind, kann man bei Investitionen in Gesundheit sicher sein: Sie nützen nicht nur dem Einzelnen sondern auch dem Wirtschafts -und Wissensstandort Österreich.

Gesundheitsversorgung bedeutet Prävention und Erziehung zum gesunden Leben, Medikation und Therapie und Intervention, Rehabilitation und Pflege. Wer auch immer in Zukunft für Gesundheit verantwortlich ist, sollte diese integrative Politik einschlagen.

Wir wissen, dass Armut, prekäre Lebenssituationen und Bildungsgferne sowie Unwissen krank machen. Also sollte man mit aktiver Gesundheitserziehung, Ernährungslehre und sinnhafter Mobilität bereits in den Vorschulen und Volksschulen beginnen, unter Einbeziehung von Medizinern und Ärzten. Aber auch unter der Einbeziehung der Eltern, die selbst schon Produkte einer Konsum- und Convenience-Gesellschaft sind.

Das kostet vergleichsweise wenig und macht auch den Schulunterricht lebendiger und interessanter. Vor allem an den Ganztagsschulen, die ja verstärkt gefördert werden.

Es kann nicht sein, dass mehr als 60 Prozent der Schulkinder übergewichtig sind und knapp 13 Prozent (mit steigender Tendenz) adipös, dass es immer mehr junge Brillenträger gibt, Diabetes bereits bei Jugendlichen signifikant häufig auftritt und Haltungsschäden chronisch sind.

Bei diesem Gesundheitsbild sinkt nicht nur die Lebenserwartung, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit im späteren Berufsleben. Deshalb müsste es auch im Interesse der Ökonomie , der Unternehmen und des Handels liegen, mehr in Prävention zu investieren. Sonst fehlen die geeigneten Erwerbstätigen der Zukunft.

Dasselbe gilt für die Gesundenuntersuchung -mit erweitertem Untersuchungsfeld – für alle und für Investitionen in ergonomische Arbeitsplätze, betriebliche Gesundheitsvorsorge und Ernährung.

Jeder Cent Mehrinvestition beispielsweise in ein gutes Kantinen-, Mensen- und Schulessen verbessert den gesundheitlichen Zustand der Beteiligten. Jeder zusätzliche Schul- und Betriebsarzt  ist ein sinnhafter Beitrag zur Prävention, aber auch Früherkennung.

Wenn es der Regierung gelingt, gemeinsam mit den Ärzten ein Umdenken herbeizuführen wäre einiges gewonnen.

Abgesehen davon sind Momentmassnahmen notwendig: zusätzliche Ärzte und vor allem auch Pflegekräfte. Mehr Geld für Pflege und mobile Gesundheitsservices. Dazu muß Geld da sein.

Sonst explodieren die Kosten in 10 Jahren tatsächlich. Und Gesundheit wird für die Gesellschaft und für jeden Einzelnen kaum noch bezahlbar.

 

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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