Überversorgt und zu teuer ? Patientenanwalt sieht Überausstattung mit MR-Geräten. Wir sehen das nicht so.

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Der österreichische Patientenanwalt hat sich – erstmals – über eine Überversorgung im Gesundheitssystem beklagt. Er meint, es gäbe deutlich zu viele MR-Untersuchungen, doppelt so viele wie im OECD-Schnitt. Und das wäre schlichtweg medizinisch nicht gerechtfertigt und verschlinge Unsummen an Geld.

Noch vor zwei Jahren musste man wochenlang auf eine MR-Untersuchung warten. Nun mehr sind die Wartezeiten deutlich kürzer . Es gibt auch wesentlich mehr Geräte  und ärztliche Verschreibungen.

Seien wir froh. Natürlich mag es in dem einen oder anderen Fall – speziell bei Rückenleiden – übertrieben sein, gleich eine MR-Untersuchung anzufordern, aber Redundanzen sind immer noch besser als Mängel und Fehldiagnosen. In der Medizin gilt die Grundregel: eine zweite Meinung -oder eine zweite Analyse – einholen. Oft kommt es auch kurzfristig zu Veränderungen des Gesundheitszustandes, die weitere Untersuchungen notwendig machen.

Kein niedergelassener Arzt wird eine MR anordnen, wenn er keine vernünftigen Gründe hat. Und seien es auch nur geringste Zweifel, ob seine Diagnose richtig ist. Also wird überprüft. Zum Vorteil des Patienten und auch zur Absicherung des behandelnden Arztes. Denn die Haftungsrisken sind in den vergangenen Jahren stark angestiegen, das Patientenrecht wurde gestärkt, was auch gut und notwendig ist.

Generell hat unser Gesundheitssystem keine Probleme der Überversorgung, sondern eher Kapazitätsprobleme und Unterversorgungsstress.

Wenn knapp nach Neujahr die Kinderabteilung des Krankenhauses Nord geschlossen werden muss – aus Personalmangel –,wenn auf   4100 Kinder nur ein Kinderarzt mit Kassenvertrag kommt ,wenn die Wartezeiten auf akute Krisenbehandlung drastisch ansteigen, dann ist es müßig darauf zu verweisen, dass es zu viele MR-Untersuchungen gäbe.

Lieber ist mir ein Gesundheitssystem, das zu viel leistet als eines, das laufend vor dem Kollaps steht.

Und noch lieber wäre mir ein Gesundheitssystem, das ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Apparatemedizin und Zuwendungsmedizin garantiert. Davon sind wir Meilen weit entfernt. Denn: es fehlen Ärzte und Pflegekräfte. Solange wir das nicht gelöst haben, wird sich aus Patientensicht wenig verbessern.

Immerhin: der KAV wird in diesem Jahr aufstocken. Und wir werden alles tun, dass es auch genügend Ärzte gibt,  die sich für die neuen Stellen bewerben.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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