Gut gelandet. Jetzt geht es ans Eingemachte. Gesundheit und Pflege haben Vorrang!

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Das sollten mittlerweile alle Sozial- und Gesundheitspolitiker wissen. Wenn es um Gesundheit geht, wollen die Österreicher weder Einsparungen noch Restriktionen. Dasselbe gilt für das Altern: Nichts fürchten die Menschen mehr als Vereinsamung, Armut und Immobilität im Alter.

Deshalb ist es gut, dass der neue Minister Rudi Anschober den „Pflegenotstand“ ausgerufen hat und gleich an Lösungen arbeiten möchte.

Parallel könnte er auch von einem Gesundheitsnotstand reden. Denn die medizinische Versorgung beginnt flächendeckend zu bröckeln, das Niveau droht zu sinken. Die Diskrepanz zwischen Stadt und Land wird immer größer.

Wir möchten von Anfang an die Hand ausstrecken: die großen Brocken „Gesundheit“ und „Pflege“ kann man nur gemeinsam stemmen.

Dass Reformen notwendig sind bestreitet niemand. Nicht notwendig aber sind Reformen, die das System verschlechtern und die Selbstverwaltung torpedieren.

Rudi Anschober hat in Sachen Asylanten-Lehrlinge aufgezeigt, dass er bündnisfähig ist – über Parteigrenzen hinaus.

Das wird auch bei Pflege und Gesundheit notwendig sein. Denn Gesundheit kennt weder Parteibuch noch Farbenprioritäten. Als Sozialexperte weiß er. Basis für alle Humandienstleistungen sind gut qualifizierte Menschen: Ärzte, Pflegefachkräfte, Psychologen und Sozialarbeiter. Dort muss jetzt angesetzt werden: Ausbildungsoffensive (es dauert seine Zeit bis genügend Fachkräfte ausgebildet sind) attraktivere Bezahlung und vor allem Aufwertung des Images.

Alles zusammengenommen benötigen wir in den nächsten 10 Jahren mehr als 100.000 zusätzliche Menschen im Gesundheits- und Pflegewesen: Ärzte, Pflegekräfte, andere medizinische Berufe. Wir müssen davon ausgehen, dass die Kosten für die Altenpflege enorm steigen werden und vor allem die qualitativen Anforderungen dafür immer höherer werden. Wie man dieser Herausforderung begegnen kann, weiß man heute nicht. Das trifft auf alle europäische Gesundheitssysteme zu.

Akut: Geld für Personal und Infrastruktur. Kurzfristig: Schwerpunkt Prävention von der Vorschule an. Und generell: Integriertes Gesundheitssystem statt Krankeninterventionssystem.

Wir Ärzte sind für alle Gespräche offen. Wir haben unsere gesundheitspolitischen Vorstellungen präsentiert. Wir sind zur engen Zusammenarbeit bereit, auch zu Kompromissen, wenn sie nicht zulasten der Patienten gehen.

Aber wir bestehen auf: Wertschätzung, Mitbestimmung und Einbeziehung in alle Entscheidungen auf Augenhöhe.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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