Finanzielle Anreize für ein gesünderes Leben? Besser ist systematische Prävention.

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Soll jemand der gesund lebt, nicht raucht und regelmäßig Sport betreibt, weniger für die Sozialversicherung einzahlen, als ein „Durchschnittsösterreicher“? Seit einiger Zeit wird über dieses Thema kontroversiell debattiert. Aus meiner Sicht: Mehr Prävention auf breiter Basis als Zuckerl. Gesundheit ist weder eine Ware noch ein Konsumgut, für das es Rabatte gibt.

Alle Untersuchungen der vergangenen Jahre kommen auf ein mehr oder weniger einheitliches Resultat: Man muss mehr und früher als bisher in Vorsorge investieren. Das geht von verpflichtenden Gesundheitsuntersuchungen bis hin zu Ausweitungen im Mutter-Kind-Pass, verbunden mit mehr Verpflichtungen für die Erziehenden.

Direkt finanzielle „Anreiz-Zuckerl“ sind eine fragwürdige Angelegenheit. Ja, es ist nichts dagegen einzuwenden, dass man zum Beispiel die Mehrwertsteuer bei Fitness-Studios abschafft oder die Ausgaben steuerlich absetzbar macht. Es ist sicher gut, wenn man Unternehmen steuerlich begünstigt, wenn sie Sozialeinrichtungen und Gesundheitseinrichtungen bauen und gratis zur Verfügung stellen: vom Fitnessraum über einen offenen Kindergarten bis hin zu kostenlosen Mitgliedschaften für Sportvereine.

Derzeit wird über die Wiedereinführung der Skikurse diskutiert. Grundsätzlich eine gute Idee – aber viele Eltern können sich die Kosten nicht leisten. Öffentliche Unterstützung – aber generell für alle Kinder, um keine Zweiklassengesellschaft zu fördern – wäre gut. Dasselbe gilt auch für Bewegungswochen.

Gesundheit ist Wohlbefinden und nicht Abwesenheit von Krankheit. Die Menschen im Verständnis dorthin zu führen, ist Aufgabe einer nachhaltigen Gesundheitspolitik. Und das geht nur mit flächendeckender Prävention, Kommunikation und Information.

Einzelne finanzielle Anreize für Menschen, die sich jegliche Form von aktiven Betätigungen leisten können, würde zu einer Schieflage führen. Und letztendlich zu einem Gesundheitsbegriff, der aus dem Leistungsdenken kommt. Und das scheint mir ein verfehltes Denken zu sein.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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