Wo gedeckelt wird, sinkt das Niveau! Keine Rationierungsmedizin, sondern Redundanzen.

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Eine Zeit lang dachten Gesundheitspolitiker, sie könnten mit Rationierungsmaßnahmen, Deckelungen und Rationalisierung die Gesundheitskosten senken. Das Gegenteil ist eingetreten, wie man es in den UK sieht: Die Kosten steigen – zumeist zulasten der Privatschatulle des Patienten – und das Niveau sinkt. Oft erleben in solchen Systemen die Patienten ihren OP-Termin oder ihre Therapie nicht.

Soweit darf es in Österreich niemals kommen. Rationierte Medizin ist unfair, widerspricht dem Recht auf bestmögliche Behandlung und verschlechtert das gesamte System. Österreichs Gesundheitsversorgung ist noch gut, läuft aber Gefahr, wenn man zu rationieren beginnen sollte.

Sobald es zu Ausnahmesituationen – Grippewelle, andere epidemische Erkrankungen – kommt, droht dann das System zu kippen.

Der Grundsatz eines gerechten Versorgungssystems muss lauten: „Redundanzen statt Verknappung“. Denn weder Gesundheit noch Krankheit lassen sich planen, auch die Heilverläufe sind je nach Patient individuell. Empirisch nachgewiesen ist hingegen, dass direkte Zuwendung und ein Arzt-Patient-Verhältnis auf Augenhöhe sowohl Genesung als auch Rehabilitation beschleunigen.

Gesundheitspolitik muss eine Politik des Überflusses sein. Gesundheitsversorgung – wie die gesamte Daseinsversorgung – lässt sich nicht nach Road`schen Prinzipien planen. Im Gegenteil: Idealerweise müssten mehr Ressourcen vorhanden sein, als notwendig.

Nur so ist gewährleistet, dass Ärzte und Pflegefachkräfte ausgeruht und körperlich sowie geistig fit bleiben, sich den Patienten individuell annähern können und nicht bloß Organ-und Körperreparateure spielen müssen.

Derzeit ist – auch wenn genug Geld vorhanden wäre – der Gesundheitsmarkt leergefegt. Und die Politik weiß nicht, wo sie die fehlenden Kräfte hernehmen soll.

Es ist positiv, dass man nun zusätzliche Pflegekräfte ausbilden möchte, es ist gut, dass man Anreize schaffen will, dass in Österreich ausgebildete Mediziner auch hier bleiben. Und es ist richtig, dass man Überlegungen zu einem Facharzt für Allgemeinmedizin anstellt.

Man muss aber realistisch bleiben: Bis diese Maßnahmen greifen, vergehen 5 bis 10 Jahre. Und in dieser Zeit muss man improvisieren. Am besten bei möglichst vollständiger Abdeckung der Leistungen durch die Sozialversicherungen. Wir benötigen bei einer wachsenden und älter werdenden Bevölkerung mehr Kassenärzte, österreichweit 1300 zusätzliche Kassenärzte. Das kostet, aber ist immer noch besser, als ein System erodieren zu lassen und weiter zu rationalisieren.

Angedacht ist: Parallel in Dekaden denken, statt in Legislaturperioden , und aktuell viel Geld in die Hand zu nehmen, um Ärzte zu engagieren – auch aus dem Ausland.

 

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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