50.OOO Menschen sind in Österreich nicht krankenversichert. Mehr Unterstützung tut not.

 1,880 total views,  5 views today

50.000 Menschen sind in Österreich nicht krankenversichert, haben keine gültige E-Card. Die Gründe sind unterschiedlich: längere Erwerbslosigkeit, Straffälligkeiten, bittere Armut. Viele haben überhaupt noch nie gearbeitet oder sind dabei sich selbständig zu machen. In Österreich ist die Sozialversicherung an die Erwerbstätigkeit gebunden. Wie in den meisten Ländern.

Dennoch: die Zahl derjenigen, die ohne Versicherung dastehen, steigt. Private Initiativen oder NGO`s vom Neunerhaus bis zum Vinzidorf oder Amber Med, aber auch den Barmherzigen Brüdern und Schwestern versuchen, diese Lücke zu füllen. Sie bieten kostenlose Beratung, Behandlung und Medikamentenversorgung an, sind aber zumeist auf Spenden und freiwillige Helfer angewiesen. Und sie können längst nicht allen helfen. Denn viele- vor allem ältere Menschen- haben Scham, manche sind verwirrt oder können sich nicht artikulieren. Und manche halten sich auch illegal oder halblegal auf.

Gewiss, es sind nicht einmal 0.5 Prozent der Versicherten. Doch sie haben Anspruch auf Menschen würde. Und damit auch Anspruch auf Hilfe durch die Gesellschaft. Die einfachste Lösung wäre : kostenlose Krankenversorgung für alle, die in Österreich leben, ungeachtet der Herkunft. Die Kosten wären überschaubar und vieles an Not könnte gelindert werden. Vielen Menschen würde die Angst genommen.

Es mag sein, dass manche Menschen das ausnützen. Derartiges gibt es in jedem System, das versucht soziale Gerechtigkeit herzustellen. Aber unsere Gesellschaft und unser Sozialwesen sollten nicht zusehen, wie Menschen sterben oder lebensgefährlich erkranken, weil sie keine Versicherung haben.

Die Angst, dass die Behörden zu Daten kommen könnten, die ihnen rechtliche Handhabe geben könnten, scheint dabei nicht relevant. Zudem sind Ärzte ohnehin zur Verschwiegenheit verpflichtet.

Vielleicht sollen auch diejenigen Politiker, die von wachsender sozialer Kälte sprechen, darüber nachdenken, Versicherungsschutz für alle zu gewähren. Es wäre mehr als nur ein Symbol.

Übrigens : Ohne die tausenden Freiwilligen , darunter viele Ärzte, wären die Hilfsorganisationen nicht funktionsfähig. Das gilt für viele soziale Dienste in Österreich : von der Feuerwehr bis zur Altenpflege. Die Gesellschaft schätzt das zu wenig. Und nimmt zu vieles als selbstverständlich.

 

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

Kommentar verfassen