Krebserkrankungen: weltweite Verdoppelung bis 2040. Mehr als 40.000 Neuerkrankungen in Österreich. Notwendig: mehr Geld für Forschung und Vorsorge.

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18 Millionen Menschen weltweit erkranken pro Jahr an Krebs. Gleichzeitig steigen die Überlebenschancen. Die Medizin scheint auf gutem Wege zu sein, einige Krebsformen zu chronischen Erkrankungen zu „optimieren“. Dazu bedarf es zielgerechter und ausreichend dotierter Forschung.

Die MedUni Wien zählt zu den bedeutendsten Onkologie-Forschungszentren weltweit, zudem gibt es in Wien das Comprehensive Cancer Center, eine Plattform, die unterschiedliche  universitäre und außeruniversitäre Institute verknüpft und herausragenden Ruf genießt.

Das ändert nichts an der Tatsache, dass die Anzahl der Krebserkrankungen weiter steigen wird, auch wegen der demografischen Entwicklung und der damit steigenden Krebsprävalenz, aber es trägt wesentlich dazu bei, Krebserkrankungen erfolgreich zu bekämpfen und die Überlebenschancen zu verbessern.

Vorsorge und Forschung, das sind die Schlüsselpunkte im Kampf gegen Krebs. Vorsorge wird in Österreich sträflich vernachlässigt. Es gibt kein dezidiertes Budget, keinen umfassenden Daseinsvorsorgeplan. Wenn man bedenkt, dass allein durch die Rauchverbote international die Anzahl an Lungenkrebserkrankungen um bis zu 10 Prozent gesenkt werden konnte, erhält man ein Indiz, wie zentral Vorsorge einerseits und Früherkennung anderseits sind.

Wesentlich aber ist die massive Unterstützung der klinischen- und der Grundlagenforschung. Sie stärkt den Wissenschaftsstandort Wien, macht Wien interessant für internationale Forscher und  intensiviert die internationalen Netzwerke. Moderne Forschung ist zum Großteil nur mehr kooperativ möglich. In den Netzwerken arbeiten die Besten mit den Besten. Ehrgeiz sollte sein, unter den Besten zu bleiben. Dazu braucht es Ressourcen statt Sparprogramme. Abgesehen davon hat das ganze volkswirtschaftliche Nutzen: Wo geforscht wird, siedeln sich auch medizintechnische Unternehmen und Pharmafirmen an, werden attraktive und qualifizierte Jobs geschaffen und zusätzliche Kaufkraft erzielt.

Geld für Forschung, Geld für Vorsorge und Geld für Medizintechnik. Das ist Gebot der Stunde. Es geht nicht an, dass Krebskranke oft tage- und wochenlang auf eine Behandlung warten müssen, weil kein Gerät frei ist oder Mitarbeiter fehlen, die mit den hochkomplexen Geräten umgehen können.

Und Vorsorgebewusstsein kann sich nur einstellen, wenn man bereits in der Schule mit dem Thema Gesundheit und Ernährungskunde konfrontiert wird und lernt, auf den eigenen Körper zu achten. Davon sind wir noch weit entfernt.

Gesundheitsversorgung kann sich aber nicht in der Intervention und akuten Therapie erschöpfen, Gesundheitsversorgung muss wesentlich weiter gesehen und betrieben werden: Von der Forschung über die Vorsorge, von der Therapie bis zur Rehabilitation und Pflege.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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