Vertrauen in misstrauischen Zeiten! Warum die Patienten den Hausarzt so sehr lieben.

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Das Misstrauen in vielen wesentlichen Gesellschaften ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Politik misstraut der Justiz, Leser misstrauen den Medien und Internetplattformen, das Vertrauen in die Stabilität von gesellschaftlichen Institutionen sinkt. Menschen haben Angst im Alter zu verarmen. Sie misstrauen den Versprechungen von Politik. Das Vertrauen in die Unabhängigkeit der Medien sinkt zunehmend.

Nur wenige Berufe genießen noch das hohe Vertrauen der Menschen: Straßenpolizisten, Feuerwehrleute und Ärzte. Also Berufe im Dienst und zum Schutz des Bürgers.

Das Vertrauen – selbst der Ärzte – in die Verlässlichkeit von Krankenhäusern sinkt, wie eine Umfrage der Ärztekammer bestätigt, während das Vertrauen in den Hausarzt unerschütterlich hoch ist.

Wenn wir von Gesundheitsversorgung reden, sollen wir viel mehr über Vertrauen reden. Vertrauen in den Arzt und dessen Verschwiegenheit beeinflusst Genesungsverläufe deutlich. Wenn Menschen das Gefühl haben, sich auf die Diagnose ihres Hausarztes verlassen zu können, befolgen sie auch hier seine Ratschläge. Sie haben weniger Sprechhemmungen und erzählen mehr über sich – das ist entscheidend für Anamnese und Therapie.

Patienten wollen ihre Persönlichkeit geschützt sehen. Sie haben nichts gegen Apparatemedizin oder High-Tech-Medizin, aber sie möchten jemanden, der ihnen erklärt, woher die Beschwerden kommen und was die besten Lösungen sind.

Es geht um Psychologie, Zuwendung ,Erfahrung und die bestmögliche Weiterbildung des Patienten: durch einen Facharzt oder ein Krankenhaus.

Deshalb muss der Hausarzt gestärkt werden, deshalb ist es sinnvoll eine Fachausbildung zum Hausarzt einzuführen. Und deshalb ist es dringend notwendig, den Hausarzt auch mehr wertzuschätzen: finanziell aber auch in der öffentlichen Wahrnehmung. Seit mehr als 20 Jahren versprechen unterschiedliche Regierungen unterschiedlicher Couleurs, die Position des Hausarztes zu stärken. Geschehen ist wenig. So nimmt es nicht Wunder, dass nahezu 1oo allgemeinmedizinische Kassenstellen nicht besetzt sind.

Finanzielle Anreize allein sind zu wenig. Aber sie sichern zumindest ein adäquates Einkommen. Was noch notwendig erscheint, sind Administrationsabbau, kostenlose unternehmerische und managementbezogene Beratung und ein System der Vernetzung von Einzelpraxen, sodass sich Allgemeinmediziner ihre Freizeit auch besser einteilen können. Technisch ist das heute kein Problem.  Angehen muss man es. Und da ist die öffentliche Hand gefragt Was wir aber gesellschaftlich und sozialpolitisch brauchen, ist wieder ein Klima des Vertrauens. Und kein Lagerdenken, dass derzeit die politische Debatte dominiert.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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