Deutschland lässt geschäftsmäßige Beihilfe zum Selbstmord zu! Müssen wir den Deutschen alles nachmachen? Nein. Lieber Patientenverfügung verstärken.

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Der  deutsche Bundesverfassungsgerichtshof hat einen umstrittenen Sterbehilfen-Paragraphen gekippt. Unter strengen Voraussetzungen soll geschäftsmäßige Hilfe zur Selbsttötung erlaubt sein, weil der bisherige Paragraph verfassungswidrig sei. Das Recht auf selbstbestimmtes Sterben hat Vorrang.

Die Klage war von Kranken- und Sterbebeihilfen ausgegangen. Das Ganze hat eine Vorgeschichte.

„Geschäftsmäßig“ bedeutet nicht unbedingt „ertragsorientiert“, sondern bezieht sich auf wiederholte Suizidhilfe durch ein und denselben Arzt. Das war bislang verboten. Vor allem, um zu verhindern, dass Suizidhilfe-Vereine ihr Angebot in Deutschland ausweiten und aus dem Ganzen ein Geschäft machen könnten. Und sei es lediglich in Form von Spenden.

Aktive Sterbehilfe aber bleibt weiterhin verboten. Hingegen kann der Arzt infolge autonom entscheiden – auf Bitte des Patienten – ob er auf lebensverlängernde Maßnahmen verzichtet.

Meiner Meinung nach tut sich da ein gewaltiger Graubereich auf. Vom ethischen Standpunkt her,gibt es kein einziges Argument für aktive oder passive Sterbehilfe. Genauso wie es kein einziges vernünftiges Argument für die Todesstrafe gibt. Noch dazu in Ländern wie Österreich und Deutschland, die historisch vorbelastet sind. Die NS-Eugenik ist nicht wiedergutzumachen.

Das einzig probate Mittel scheint  stärkere Werbung und nochmalige Vereinfachung der Patientenverfügung zu sein. Dabei kann jeder rechtzeitig festlegen, was geschehen soll, wenn er  unheilbar krank oder extrem schmerzgeplagt   oder nicht mehr im Vollbesitz seiner Kräfte ist. Und jeder kann die Verfügung jederzeit verändern oder zurückziehen, wenn sich seine Einstellung zum Tod und Sterben verändert hat.

Damit hat indirekt jeder Mensch das Recht über sein Leben zu verfügen.

Jede Aufweichung des Suizid-Hilfe-Verbots würde zu Diskussionen führen, würde einen Graubereich aufmachen, der nicht mehr beherrschbar wird.

Und es besteht die Gefahr, dass aus „Geschäftstätigkeit“ wirklich ein Geschäft zulasten der Patienten oder der Angehörigen entsteht.

Und das haben wir in einer aufgeklärten Demokratie nicht notwendig.

Man muss nicht alles nachmachen, was andere tun.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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