Sind wir zu schnell bei der Rückkehr zur Normalität? Experten warnen vor möglicher zweiter Welle.

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Öffnung fast aller Geschäfte ab dem 02.05., auch der Shopping Malls, der Friseure und Kosmetiksalons, Aufhebung der Ausgangssperre und vor allem: Öffnung der Outdoor- und später Indoor Sportstätten noch im Mai. Das betrifft etwa Fitnessclubs, aber auch Handball- und Volleyballhallen sowie Kletterhallen. Sind wir zu schnell? Zu unvorsichtig?

Österreich ist nicht nur Vorreiter in Europa bei der radikalen Schließung und „Stilllegung des Alltags“, aber wie es scheint, auch eines jener Länder, die am frühesten mit den nahezu vollständigen Lockerungen beginnt.

Natürlich bleiben die Grundsätze erhalten: Abstand halten, Hygienevorschriften beachten, Masken tragen. Ist das genug? Bereits am vergangenen Wochenende platzten Parks oder die Prater Hauptallee aus den Nähten: mehr Traffic und Picknicker als in normalen Zeiten.

Österreich will den Tourismus so rasch wie möglich ankurbeln – doch viele Nachbarländer, allen voran Deutschland, sind reserviert. Man will, dass die Menschen in ihrer Region Urlaub machen und auf Auslandreisen verzichten.

Wir wissen nicht ob und wann es zu einer zweiten Pandemiewelle kommen könnte. Deshalb raten wir zur Vorsicht. Noch steigen weltweit die Infektionen. In Singapur und Hongkong bereitet man den zweiten Shutdown vor, weil offensichtlich durch den Import von Arbeitskräften das Virus wieder eingeschmuggelt wurde. Und in Deutschland steigt die Reproduktionsahl wieder auf 1.

Dabei wird – trotz der Notwendigkeit die Wirtschaft wieder anzukurbeln – auf eines vergessen: Gesundheit muss Priorität vor allem anderen haben. Und ebenso der Schutz der im Gesundheitsbereich tätigen Menschen und jener, die gezwungenermaßen Kontakt mit anderen haben müssen.

Es ist notwendig den medizinischen Normalbetrieb wiederherzustellen, mural und extramural, das ist klar. Denn es gibt hunderttausende Österreicher die versorgt und therapiert werden müssen. Das geht nicht kontaktlos.

Vielleicht ergibt sich durch strenge Durchführungsbestimmungen ohnehin eine andere Realität, sodass vieles was jetzt euphorisch angekündigt wurde, gar nicht exekutierbar ist: Und wir wissen alle nicht, ob und welche Konsumbedürfnisse Menschen haben werden, wenn sie wieder einkaufen können. Was wir wissen – und das bestätigt eine rezente Umfrage – dass Menschen wieder Freunde, Verwandte und Bekannte sehen und treffen wollen – zuhause und im öffentlichen Raum.

Deshalb: Vorsicht, ja sogar höhere Vorsicht ist Gebot der ersten Stunde. Und so manchem stellt sich die Frage: sollte man nicht langsamer liberalisieren. 40 Prozent der Eltern sind immerhin gegen die Öffnung der Schulen und über 80 Prozent wollen weiterhin strenge Regelungen. Aus Selbstschutz.

Konzentrieren wir uns eher darauf, das Gesundheitswesen nicht nur zu stabilisieren, sondern auf neue Beine zu stellen – für die Zukunft. Und konzentrieren wir und auf die Forschung auf die Entwicklung von Impfstoffen. Das hilft allen.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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