Machen Fitnessstudios und Kosmetiksalons krank? Warum so rasche Lockerungen?

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Die Lobby der Fitnessstudios ist lautstark. Man fordert die Öffnung spätestens Ende Mai. So sieht es die Regierung auch vor. Ich stelle die Frage: Kann man sich nicht auch durch Laufen und Bewegung im Freien fit halten? Besonders im Spätfrühling und Sommer. Fitnesscenter sind mögliche Infektionshotspots, dasselbe gilt für alle anderen persönlichen Dienstleistungen in beengten Räumlichkeiten. Können wir nicht etwas mehr Obacht walten lassen. Gerade in der entscheidenden Etappe 2 der Virusbekämpfung.

Es ist verständlich, dass man zum „normalen“ Leben und zu den gewohnten Freizeitaktivitäten so rasch wie möglich zurückfinden möchte. Fitness ist wichtig, weil es die Resilienz und Immunkräfte stärkt. Aber kann das nicht im Freien geschehen – gerade in dieser Jahreszeit.

Muss man Kletter- und Boulderhallen, wo sich Abstände schwer kontrollieren lassen, öffnen oder gar Fitnessstudios, wo zusätzlich zur Infektionsgefahr auch enorme hygienische Probleme auftreten. Ob es das Duschen oder die Umkleideräume sind, oder die Desinfektion der diversen Turngeräte.

Ist der Verzicht darauf wirklich so schwierig und unzumutbar?

Gerade im Großstadtbereich sind die Infektionsgefahren im Vergleich zu ländlichen und kleinstädtischen Gegenden mehrfach höher. Um einen Vergleich zu bringen: Seezugänge ja, aber kontrolliert, bei Schwimmbädern wird es schon schwieriger, auch sozial. Was tut man mit Menschenmengen, wenn man bereits am späten Vormittag die blaue Fahne hissen muss. Wer schickt sie heim? Die Polizei?

Ich finde es richtig dass gelockert wird, aber mir fehlen bei manchen dieser Öffnungen einsichtige Durchführungsbestimmungen. Manchmal hat man den Eindruck, dass einige Menschen denken, mit den Lockerungen ist auch das Virus abgeschafft.

Deshalb ist es absolut notwendig, dass vor allem die Ärzte kontinuierlich und kompakt über die Lockerungen informiert werden, denn sie werden von möglichen Patienten, die verunsichert sind, am intensivsten befragt.

Es mag sein, dass eine zweite Welle der Epidemie leichter zu bewältigen ist als die ersten, weil es bereits Erfahrungen gibt und die Menschen Hygiene, Abstand halten und Masken tragen bereits internalisiert haben.

Das gefährliche ist: Unsicherheit und Missverständlichkeit. Ich habe den Eindruck, dass viele Menschen nicht genau wissen – und es auch keine genauen und gut kommunizierten Informationen gibt – was erlaubt ist und was nicht.

Wichtig erscheint mir jetzt: Testen, testen, testen. Targeting,das heißt Rückverfolgung von Kontakten. Wir brauchen eine Corona-Topografie Österreichs. Das fordern viele Wissenschafter.

Und wir brauchen bessere Rahmenbedingungen – auch finanzielle – für die Ärzte und das Gesundheitspersonal. Denn es arbeite nach wie vor extrem eponiert. Und tragende Säulen dürfen nicht lädiert werden.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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