Nun öffnen sie Grenzen und Schleusen. Infektionskurve steigt leicht an. Freuen wir uns zu früh?

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Am 15.5. gab es 84 Neuinfektionen. Das ist noch nicht bedenklich aber der höchste Wert seit dem 17.4. Sind wir zu rasch beim Lockeren der Maßnahmen, öffnet Europa die Grenzen zu früh ? Nach Deutschland, Schweiz, und einigen osteuropäischen Nachbarländern nunmehr auch Italien, das am stärksten betroffene Land. Alle wollen sie so viele Touristen wie möglich anlocken. Veranstaltungen für bis zu 250 Personen sind ab 1. Juli erlaubt. Höchstwahrscheinlich wird das Formel 1 Rennen in Spielberg ausgetragen-mit 2000 Mitarbeitern der Teams und anderen Beteiligten. Einige Epidemologen warnen.

In den Krankenhäusern wird sukzessive neben dem Normalbetrieb auch die Ambulanz wieder geöffnet, die Arztpraxen sind wieder zu 100 Prozent geöffnet- freilich mit strengen Sicherheits- und Abstandsregeln.

Die Restaurants haben wieder offen- offensichtlich kommen aber weniger Gäste als erwartet, berichten die Medien. Nunmehr soll auch der Kulturbetrieb wieder langsam anlaufen – zur Freude der Festspiel -und Kulturveranstalter und der Künstler, die um ihre Existenz kämpfen. Wie es aussieht, will man spätestens im August – so meint Gesundheitsminister Anschober – zur Normalität zurückkehren – mit Veranstaltungen, an denen open air bis zu 1000 Menschen beiwohnen können.

In vielen Staaten Europas hat man das Lockerungstempo erhöht, während etwa in Russland gerade eine hochkritische Situation eskaliert und die Zuwachsraten in Ländern wie Brasilien nahezu beängstigend sind. Ostasien erlebt gerade – schaumgebremst – die zweite Welle. Das Virus ist global und scheint sich auf seine zweite Weltreise zu begeben. Die führt logischerweise auch zurück nach Europa.

Sind wir darauf vorbereitet? Haben wir die Weitsicht, uns so gut wie möglich zu wappnen. Genügt Abstand halten, wobei, wie die Realität zeigt, das Prinzip schwer umsetzbar ist und ein Ausmaß an Selbstdisziplin verlangt, die viele Menschen – auch aus Gewohnheit- nicht haben.

Es wird sich zeigen, welche Auswirkungen das -notwendige – Wiederbeleben des globalen Warenkreises hat, wenn verstärkt Arbeitsmigration wieder sattfindet.

Tatsache ist, dass wir weder ein absolut sicheres Medikament haben und keine Schutzimpfung.

Und Tatsache ist, dass wir das Gesundheitssystem nicht ausreizen dürfen und die notwendigen Kapazitäten für eine zweite Welle aufrechterhalten müssen. Denn das erste, das belastet wird, ist die Gesundheitsversorgung.

Tatsache ist, Wer alle Schleusen öffnet, öffnet auch Virenschleusen. Obacht und Abstand sind nach wie vor die obersten Kriterien. Auch wenn jetzt schon Urlaubsstrände und-Flüge locken mögen.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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