Machen wir es uns zu leicht? Gehen die Lockerungen und das Laissez-Faire zu weit?

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Es wird wieder darüber debattiert, wie lange man noch Masken tragen sollte. Ebenso, dass man die Sperrstunden in der Gastronomie nach hinten verlegen solle. Einzelne Bundesländer wollen autonom Lockerungen verlangen – nach dem Vorbild Deutschland – was gerade in den jüngsten Tagen wie zur lokalen Infektions-Hotspots gekommen ist. Die Tourismus Stadt Cuxhaven hat soeben den Tourismus wieder stillgelegt . Grund : Corona.

Sind wir zu locker? Zu schlampig? Es muss allen klar sein: Wir leben noch mitten in der Pandemie. Und die Öffnung der Grenzen wird ebenso eine Bewährungsprobe darstellen, wie die Öffnung der Hotellerie und der Tourismus. Das einzige, was aber derzeit zählt: Wachsam bleiben, Abstand halten.

Für manche Sportarten und Lokalitäten hat man die Abstandsregeln schon aufgeweicht. Wenn man sich Bilder aus den Medien vergegenwärtigt, ist von Abstand keine Spur mehr – Partys, Fahrradlerrudel. Es ist nicht anzunehmen, dass es sich um lauter Menschen handelt, die im selben Haushalt leben.

Sind wir zu sorglos bei den Kontrollen? Sollen die Menschen, die in Quarantäne leben von der Polizei oder anderen Organen kontrolliert werden? Wie steht es mit Bewegungsapps? Stellen sie wirklich eine derartige Verletzung der Privatsphäre dar?

Mediziner müssen naturgemäß vorsichtiger agieren und warnen. Das gehört zu ihrem beruflichen Ethos. Aus diesem Grund warne ich auch vor Populismen und aufweichen von Prinzipien.

Ab nächster Woche öffnen die Bäder, selbst die Fitness Center, die Hotellerie – wenn auch nur gedrosselt – sperrt wieder auf. In manchen Schulen ist es jetzt schon zu Infektionen und Schließungen gekommen. Der Grund liegt wohl auch dran, dass viele Schulen keine besonderen Hygieneeinrichtungen haben, dass viele Klassenzimmer beispielsweise über kein Fließwasser verfügen und dass es unmöglich ist Kinder soweit zu disziplinieren, dass sie nicht miteinander in engen Kontakt kommen.

Natürlich muss man die Wirtschaft ankurbeln, sonst geht gar nichts mehr, aber vor allem muss man darauf achten, dass es zu keinem Rückfall kommt. Die Gefahr ist größer als wir glauben.

Und es wird noch lange dauern bis es Medikamente gibt oder gar einen wirksamen sicheren Impfstoff.

 

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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