Wo bleibt die Prämie für Ärzte und Gesundheitspersonal? Und warum sind die Privatspitäler knausriger denn je?

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Japan zahlt den Ärzten Zusatzgeld, in Deutschland gibt es ähnliche Maßnahmen, und was tut Österreich?102 Milliarden Euro beträgt der Budgetrahmen für 2020 – so viel wie noch nie in der Geschichte. Alle möglichen Branchen und Millionen Arbeitnehmer erhalten Zuschüsse. Nur nicht diejenigen, die während der Krise ihr Leben riskierten, tausende Menschen retten und hielten und was das Gesundheitssystem aufrechterhielten. Tausende niedergelassene Ärzte mussten Einnahmeverluste von bis zu 90 Prozent in Kauf nehmen. Die Zahl der Arztbesuche ist laut Gesundheitskasse deutlich gesunken, viele Ordis mussten wegen Positiv-Tests schließen.

In den Krankenhäusern wurde Großartiges geleistet. Niemand sah auf die Uhr, wenn es galt akut zu behandeln. Und wenn die Krankenhausärzte nun ein Sondermonatsgeld fordern, rührt sich kein politisches Ohrwaschel. Das ist nicht nur unfair, sondern extrem arrogant.

Mehr noch: Ärzte wurden als „Infrastrukturerhalter“ klassifiziert, das heißt dass Angehörige der Risikogruppen zur Arbeit gezwungen wurden, während sie in anderen Berufen Arbeit verweigern konnten – bei vollem Lohnausgleich.

Und steigen auch noch die Privatspitäler, die noch dazu häufig im Besitz von Krankenversicherungen sind – was in sich ein eigentlich unzulässiges Paradoxon darstellt – die bei den Gehaltsverhandlungen mit den Ärzten auf die Kostenbremse steigen.

Es heißt zwar Gesundheit gehe über alles, koste es was es wolle, aber die Realität schaut anders aus. Nach dem Motto: Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen.

Ich appelliere namens der Kammer an die Politik, ausländischen Beispielen zu folgen und den Ärzten eine Sonderzahlung beziehungsweise Kompensation der Einnahmeverluste im niedergelassenen Bereich zuzugestehen.

Denn man wird in den kommenden Monaten noch froh sein, dass es engagierte und bestens vorbereitete Ärzte und Pfleger gibt – die Pandemie ist bei weitem nicht ausgestanden. Und die Lockerungserlässe, die im Halbtagestakt erlassen werden, bergen eine unbekannte Gefahr in sich. Wir Ärzte sind nach wie vor in Alarmbereitschaft. Zudem gilt es, tausende verschobene Operationen und Behandlungen aufzuholen und alle Kräfte zu sammeln, um den Normalbetrieb wiederherzustellen. Auch das benötigt überdurchschnittlich hohen Einsatz.

Ich bin überzeugt, die Patienten sind auf unserer Seite. Und dass wir Ärzte die Patienten für ein gerechte Sache mobilisieren können, haben wir in der Vergangenheit oft genug bewiesen.

 

 

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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