Ärztefunkdienst und Akutambulanzen ausbauen. Und besser bezahlen. Mehr Elastizität in die Gesundheitsversorgung. Gerade jetzt.

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Die Kooperation Ärztefunkdienst mit dem Krankenanstaltenverbund der Stadt Wien war eine der effizientesten Maßnahmen zur Bekämpfung des Corona Virus. „Home sampling“ durch den Funkdienst der Ärztekammer für Wien, eine Initiative von Prof. Binder, dem „Chief Medical Officer“ des Wiener Krankenanstaltenverbundes, hat laut einer Studie hunderten Wienerinnen und Wienern das Leben gerettet. Bei dieser Gelegenheit herzlichen Dank an alle Mitarbeiter und Funktionäre des Ärztefunkdienstes, die innerhalb von zwei Tagen „home sampling“ und ausgeweitete Betreuung organisiert haben.

Diese Kooperation sollte -auch nach dem Abklingen der ersten Welle weiter bestehen bleiben, insbesondere die Akutamabulanzen bzw. allgemeinmedizinischen Ambulanzen (AMA) in den Spitälern. Im AKH hat es so eine sehr erfolgreiche und gut funktionierende Ambulanz seit geraumer Zeit gegeben, in den anderen Krankenanstalten wurden zusätzliche Triageambulanzen zu Corona-Hoch-Zeiten eingerichtet. Diese sollten auch zu AMAs ausgebaut werden. Dafür müssen die finanziellen Mittel in ausreichendem Ausmaß bereitgestellt werden . Im Sinne aller Beteiligten.

Mit den Akutamabulanzen ist es gelungen den „Normalen Betrieb“ aufrecht erhalten-leichtete Fälle werden in diesen durch den Ärztefunkdienst betriebenen, den Krankenanstalten vorgeschaltenen Ambulanzen gut betreut und durch den Einsatz des Ärztefunkdienstes konnten leichte Infektionsfälle zu Hause behandelt, ohne dass potentiell infektiöse Patienten Ordinationen oder Krankenhäuser aufsuchen mussten.

Es ist zu befürchten, dass es regelmäßig zu lokal begrenzten neuen Infektionshotspots kommen. Gleichzeitig ist zu erwarten, dass die Anzahl von Akutfällen steigt : Freizeitunfälle, die verstärkt auftreten zum Beispiel. Zudem ist zu erwarten, dass in diesem Sommer deutlich mehr Menschen als bisher in Wien bleiben werden und gewissermaßen Heimurlaub antreten. Das bedeutet automatisch mehr Frequenz in den Spitälern als im normalen Sommern. Und das bei reduziertem Personal.

Die Corona Krise hat uns gelehrt, mehr denn je in mobilen Einsätzen zu denken und zu handeln, und die Vorteile der Digitalisierung zu nutzen : das elektronische Rezept beispielsweise oder die Erstberatung und- Beauskunftung durch Telemedizin. Immer mehr Menschen verfügen über Skype, können also mit ihrem Arzt auch videotelefonieren. Selbstverständlich müssen diese Leistungen auch entsprechend durch die Sozialversicherung honoriert werden.

Wir alle müssen versuchen, nicht notwendige Kontakte zu vermeiden und dafür „Ersatz“ zu schaffen . Damit entlasten wir das System und schaffen Zusatzkapazitäten. Da ist kein Plädoyer gegen den direkten Patientenkontakt oder gegen das vertrauliche Gespräch, im Gegenteil. Je mehr an wertvoller Zeit wir für empathische Patientenbetreuung verwenden könne als für Routinetätigkeiten, um so besser werden Heilprozesse verlaufen.

 

Die Akutamabulanzen waren ein erster Schritt zur besseren Vernetzung des muralen und extramuralen Bereiches. Daran sollten wir arbeiten. Denn das Gebot der Stunde heisst: Nachhaltige Reform und nachhaltiger Ausbau des Gesundheitssystems. Corona kommt wieder. Das ist eine Tatsache. De Frage ist nur – wie gut sind wir darauf vorbereitet und wie gut sorgen wir vor.

Abstand halten und Kontakte vermeiden steht an oberster Stelle ebenso wie der Schutz des Gesundheitspersonals.

 

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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