Bitte um klare Aussagen und Richtlinien! Derzeit herrscht Torkelei: bei Politik und Wirtschaft…

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Das angekündigte Ampelsystem ist in Ordnung, wenn es bald kommt. Denn derzeit herrschen nicht nur Undiszipliniertheit und Verdrängung, sondern auch Verunsicherung. Was darf man, wohin darf man unter welchen Umständen? Fakt ist: Die Zahl der Neuinfektionen bleibt konstant bei etwa 100 am Tag und der Altersdurchschnitt der Infizierten sinkt kontinuierlich. Regionale Maßnahmen werden gesetzt, aber oft schlecht kommuniziert.

Die Politik hat den Lockdown mit beachtenswerter Klarheit und Schärfe angeordnet. Bei den Lockerungen hingegen handelt man widersprüchlich, teilweise unlogisch. Zu offensichtlich war der Druck unterschiedlicher Lobbies.

Gleichzeitig warnen Ökonomen vor einem Wirtschaftskoller gegen Jahresende. Exporte brachen ein, die Alltagskonsumlust hält sich in Grenzen, zugesagte Spontanhilfen werden mit Verzögerung ausbezahlt.

In den Tourismusarbeiten an den Seen und sonstigen attraktiven Urlaubsorten häufen sich die Regelverstöße. Maßnahmen – wie das Masken tragen – werden teilweise ignoriert. Jeden Tag kann sich ein Brandherd bilden. Davor wieder hat die Wirtschaft Angst.

Die teilweisen chaotischen Zustände herrschen auch bei einigen Nachbarländern: Einreisebestimmungen werden nahezu täglich geändert, lokale Quarantänen ausgesprochen.

Die Regierungen trauen sich offensichtlich nicht mehr, klare und eindeutige Botschaften zu formulieren. Die Bundesregierung delegiert Entscheidungen an die Länder und Landeshauptleute, die wiederum Rücksicht auf ihre eigene Klientel nehmen.

Letztendlich kennt sich niemand mehr aus. Und das trägt weiter dazu, Disziplin über Bord zu werfen.

Dabei gibt es klare Botschaften: Das Virus ist da und kann jederzeit und an jedem Ort wieder auftreten. Wir werden uns darauf einstellen müssen, für einige Zeit mit der Pandemie zu leben. Das heißt: Unbedingt Abstand halten, Hände waschen, Schutzmasken in Innenräumen tragen. Und so wenig Kontakt wie möglich haben. Mehr kann man nicht tun.

Noch etwas: Wir müssen aktiv diejenigen schützen, die die höchsten Risiken auf sich nehmen und die Säulen des Gesundheitssystems sind: Ärzte, Pflegekräfte, Menschen in sozialen Berufen. Wenn sie ausfallen, können plötzlich auftretende kritische Situationen nicht bewältigt werden.

Politik sollte sich endlich wieder zu dem bekennen, was man einst gesagt hatte. Gesundheit geht vor allem. Und Sozialkontakte sind so gut wie möglich zu vermeiden.

 

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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